Sterne besser fotografieren

 In Wissen

So klappts mit den Astro-Aufnahmen

Eine der schönsten Dinge in den Bergen ist der sternenklare Nachthimmel. Aber wie nimmt man die Sterne richtig auf? Der Zürcher Fotograf Gianni Krattli, selbst Spezialist für Astrofotografie, erklärt Ihnen, worauf es ankommt.

Text & Fotos: Gianni Krattli

Vier Jahre ist es her, dass mich die Astrofotografie in ihren Bann gezogen hat. Zu Beginn habe ich nur an einen dunklen und klaren Himmel gedacht. Andere wichtige Faktoren vernachlässigte ich komplett, was zu einigen bitterkalten und langen Nächten führte. Bis heute habe ich viel über Wetter, Natur und Ausrüstung für eine Nacht im Freien gelernt. Um ein grossartiges nächtliches Abenteuer erleben zu können, erachte ich erfahrungsgemäss vier Punkte als essenziell.

Tipp 1: Dunkelheit! 

Als allererstes konsultiere ich die Lichtverschmutzungskarte. Um möglichst viele Details des Universums ablichten zu können, gilt: je dunkler desto besser. In einem zweiten Schritt erkundige ich mich anhand von Satellitenbildern über das dortige Terrain. Einige Plätze sind einfach unerreichbar! Für die Nachtfotografie sind Orte am geeignetsten, die man bereits bei Tageslicht erkundet hat. Ist dies nicht der Fall, ist es wichtig, sich mit Hilfe von topografischen Karten (mit Höhenlinien) einen genauen Überblick über das Gelände zu verschaffen. Weiter ist es wichtig, sich über die aktuellen Himmelsbegebenheiten zu erkundigen. Vor allem das helle Mondlicht kann einem, auch am dunkelsten Ort der Schweiz, einen Strich durch die Rechnung machen.

Milchstrasse richtig fotografieren – so geht's
Milchstrasse richtig fotografieren – so geht's

Tipp 2: Richtig packen

Nun muss der Ausgangspunkt der Wanderung festgelegt werden. Dabei stellt sich die Frage, ob man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln (ÖV) oder einem privaten Fahrzeug anreist. Ohne Frage ist das eigene Auto die komfortablere Option. Aber Achtung! Wenn es über Nacht keine Zeit oder Möglichkeit für genügend Schlaf gibt, sollte man am nächsten Morgen auf keinen Fall mit dem Auto nach Hause fahren. Immer zuerst einige Stunden schlafen oder eben mit den ÖV anreisen. Das ÖV-Netz in der Schweiz ist sehr gut ausgebaut. Ist ein passender Ort gewählt, stellt sich die Frage: «Wie viel Gewicht kann ich zu diesem Ort tragen?» Erfahrungsgemäss gilt bei mir die Regel: «Bei 500 zu überwindenden Höhenmetern nicht mehr als 20 kg Gepäck.» Eine solche Regel muss aber jeder für sich individuell bestimmen, beziehungsweise ausprobieren. Klar ist, beim Packen des Rucksackes stehen immer Kompromisse an – bei der Deep Sky Fotografie etwa ist ganz klar Autofahren angesagt. Favorisierte Orte sind hier dunkle Passhöhen oder Alpentäler, die direkt mit dem Auto angefahren werden können.

Astro-Abenteuer in den Schweizer Alpen

Tipp 3: Stativ ist ein Muss

In der Astrofotografie ist die Belichtungszeit das A und O. So nützt die teuerste Kameraausrüstung nichts, wenn diese nicht für mehrere Sekunden auf einem Stativ fixiert werden kann. Denn nur so können die Details des Universums eingefangen werden, ohne dass die Himmelskörper verwackeln oder verschwimmen. Allen, die einen Schritt weitergehen möchten, empfehle ich einen Star-Tracker. Mit diesem kann die Erdrotation ausgeglichen und somit durch tiefere ISO-Werte das Bildrauschen reduziert werden. Und natürlich: genügend Ersatzakkus mitnehmen! Vor allem in kalten Nächten kann ein Akku schnell an Energie verlieren.

Die Milchstrasse, aufgenommen mit einem Star-Tacker über dem Frümsel

Tipp 4: Warm anziehen

Da die Astrofotografie meist an abgelegenen Orten stattfindet, ist eine Bodenheizung eher unwahrscheinlich. Darum immer genügend warme und vor allem trockene Ersatzkleider mitnehmen. In den Bergen kann es auch in einer Sommernacht eisig werden. Kein schönes Gefühl, wenn man auf das schon lang geplante Bild wartet und einem die Glieder dabei langsam einfrieren. Deshalb sollte man sich über die Zeit des Wartens nach dem besten Astrolicht und vor dem Sonnenaufgang Gedanken machen. So trage ich mittlerweile immer Schlafsack, Isomatte und je nach Wanderung auch ein Zelt mit. Schon der leichteste Wind kann den Unterschied ausmachen. Gleichzeitig stellt ein beleuchtetes Zelt ein gutes Fotosujet dar.

Sternenwanderungen über dem Vierwaldstättersee
Sternenwanderungen über dem Vierwaldstättersee

Tipp 5: Eine Begleitung ist Gold wert

Ich erinnere mich an eine Nacht im November 2014 auf 2200 m.ü.M. in den Glarner Alpen. Der Aufstieg war steil und an einen Abstieg in der Nacht war nicht zu denken. Während 12 dunklen Stunden schoss meine Kamera hunderte von Fotos, um die Sternenwanderungen einzufangen. Die Nacht wurde länger und länger. In totaler Stille kommt es einem so vor, als werde jede Auslösung der Kamera lauter. In Gesellschaft sieht dies schon ganz anders aus. Sei es am Lagerfeuer oder beim Fachsimpeln – die Zeit in Begleitung verfliegt förmlich. So ist auch schlechtes Wetter plötzlich nicht mehr so tragisch.

Die Milchstrasse über der Stadt Glarus
Die Milchstrasse über der Stadt Glarus

Das könnte Sie interessieren:

Astrofotografie – Kleines Einmaleins

Wie gross sollte der Sensor mindestens sein?

Um die Details des Universums einzufangen, sollte der Sensor mindestens im Format APS-C sein. Optimal ist aber 35mm, also Vollformat. Mit dem Vollformat Sensor sind längere Belichtungszeiten möglich und es kann somit mehr Licht eingefangen werden.

Welche Blende wähle ich?

Beim Sterne fotografieren gilt: je offener eine Blende, desto besser. So sind Blenden wie F/2.8 oder F/1.4 sehr populär. Die tiefste Blendenzahl ist allerdings nicht immer am besten. Speziell bei einer Vollformatkamera und tiefer Blendenzahl kann es am Bildrand zu unschönen Verzerrungen der Sterne kommen.

Wie bekomme ich scharfe Bilder?

Die beste Variante, um manuell Sterne zu fokussieren, ist über den Live-View. Hierzu sucht man sich einen hellen Stern aus und vergrössert die Ansicht im Display aufs Maximum. Danach wird langsam am Fokusring des Objektivs gedreht, bis der Stern scharf ist. Natürlich muss das Objektiv auf manuellen Fokus gestellt sein, ansonsten verstellt es die Fokussierung beim nächsten Auslösen wieder.

Wie errechne ich die Belichtungszeit?

Aus meiner Erfahrung habe ich folgende Faustregel für Vollformat-Kameras aufgestellt: Bei 14 mm Brennweite belichte ich 25 Sekunden, bei 24 mm Brennweite 20 Sekunden. Zur Kontrolle empfiehlt es sich, ein Testfoto zu schiessen und ins Bild zu zoomen. So erkennt man schnell, ob die Sterne schon verzogen sind.

Empfohlene Beiträge

Kommentar hinterlassen


Outdoor Guide

Outdoor Guide GmbH
Eichbergerstrasse 60
CH-9452 Hinterforst

Email: info@outdoor-guide.ch
Phone: +41 71 755 66 55


Folgen Sie uns auf:
Kontaktieren Sie uns

We're not around right now. But you can send us an email and we'll get back to you, asap.

Nicht lesbar? Bitte Text ändern captcha txt

Enter-Taste drücken