Draussen Kochen

Gastro to go

Text: Moritz Becher, Fotos: Moritz Becher, Hersteller

Ein bisschen Schinderei gehört zum Outdoor-Leben dazu. Doch was gibt es Schöneres, als anschliessend die leeren Kalorienspeicher mit dampfenden Kreationen aus mobilen Küchen aufzustocken? Der Outdoor Guide gibt Gastro-Tipps für unterwegs.

Überblick Camping-Kocher

Tour ist nicht gleich Tour, und Kocher ist nicht gleich Kocher. Grundsätzlich lassen sich die Frischluft-­Herde in vier Kategorien unterteilen.

GASKOCHER

Funktionsweise

Aus einer aufgeschraubten Flüssiggas-Kartusche strömt das verdunstete Gas durch den Brennkopf ins Freie und wird dort entzündet. Es gibt ihn in zwei Varianten: 1) Direkt auf die Kartusche geschraubt (Schraubgaskocher), die dadurch zum Standfuss wird. 2) Mit Brennstoffleitung zur Kartusche. Dadurch steht die Kocher-Topf-Einheit tiefer und stabiler (Standgaskocher).

Einsatzbereich

Der meistgekaufte und -gebrauchte Outdoor-Kocher. Eignet sich für nahezu jede Outdoor-Aktivität von Frühjahr bis Herbst, bei der ein leichter, unkomplizierter Kocher gefragt ist und Gas-Kartuschen problemlos erhältlich sind.

 STÄRKEN

+ einfache Handhabung
+ sehr gute Heizleistung = schnelle Kochzeit
+ je nach Modell fein regulierbar
+ relativ leicht und kompakt

 SCHWÄCHEN

– Betrieb nur mit Flüssiggas-Kartuschen möglich
– bei Minusgraden nimmt Heizleistung rapide ab
– leere Kartuschen können nicht wiederbefüllt werden (Müll!)

MULTIFUEL-KOCHER

Funktionsweise

Betrieb primär mit Reinbenzin. Top-Modelle verbrennen aber auch viele andere Flüssigbrennstoffe wie Autobenzin, Kerosin, Petroleum und Diesel; bei einigen kann per Düsen­wechsel auch eine Gas-Kartusche genutzt werden. Der Brennstoff wird in einer Brennstoffflasche mittels Pumpe unter Druck gebracht und über eine Leitung zum Brennkopf geschickt. Dieser muss durch «Abfackeln» vorgeheizt werden, um das Benzin in einen gasförmigen Zustand zu bringen. Aus der Vorheizflamme wird nach kurzer Zeit die blaue Gasflamme.

Einsatzbereich

Globale Outdoor-Abenteuer, bei denen der Zugang zu Gas-Kartuschen nicht gewährleistet ist. Erste Wahl bei Expeditionen und Wintertouren.

 STÄRKEN

+ sehr gute Heizleistung = schnelle Kochzeit
+ funktioniert auch bei Minusgraden
+ sichere Standfläche
+ weltweiter Zugang zu Brennstoffen
+ fein regulierbar

 SCHWÄCHEN

– Handhabung etwas komplizierter
– wartungsintensiver
– relativ laut
– Packmass und Gewicht etwas grösser als beim Schraubgaskocher

SPIRITUS-KOCHER

Funktionsweise

Ähnlich wie beim Fondue: Spiritus oder Ethanol in den doppelwandigen Brennzylinder geben und anzünden. Durch die Hitze steigt der verdunstete Alkohol zwischen Aussen- und Innenwand des Brennzylinders nach oben und wird an zahlreichen kleinen Austrittslöchern entflammt.

Einsatzbereich

Drei-Jahreszeiten-Touren mit Geduld am Herd. Ein echter Klassiker für Outdoor-Puristen.

 STÄRKEN

+ Handhabung sehr simpel
+ geräuschloser Betrieb
+ sehr leicht und geringes Packmass

 SCHWÄCHEN

– Heizleistung mässig = relativ lange Kochzeit
– bedingt regulierbar
– relativ hoher Brennstoffverbrauch
– nur bedingt für kalte Temperaturen geeignet

FESTSTOFF-KOCHER

Funktionsweise

Trockene Äste, Laub, Rinde, Tannenzapfen, Tierdung, Pellets oder Esbit-Würfel zerkleinert im Brennraum anrichten und anzünden. Die Sauerstoffzufuhr erfolgt per Kamineffekt von unten. Bei einwandigen Feststoffkochern erhitzen ausschliesslich die Flammen aus dem Brennstoff das Kochgut. Bei doppelwandigen Modellen steigen die Gase Kohlenmonoxid, Methan und Wasserstoff, die bei der Verbrennung von Holz entstehen, zwischen Aussen- und Innenblech auf, verbrennen am oberen Rand und optimieren so die Heizleistung.

Einsatzbereich

Touren, bei den kein Zeitdruck beim Kochen herrscht und die Umgebung ausreichend (trockenes) Brennmaterial zur Verfügung stellt. Oder lange Trips, bei denen auf die Mitnahme von Brennstoff verzichtet wird, um Gewicht zu sparen. Für das Mini-Lagerfeuer-Gefühl.

 STÄRKEN

+ unabhängig von Gas- oder Flüssigbrennstoffen = Gewichts- und Kostenersparnis
+ kein Abfall
+ wartungsfrei
+ leicht

 SCHWÄCHEN

– relativ grosses Packmass
– mässige Leistung = relativ lange Kochzeit
– sehr eingeschränkt regulierbar
– witterungsabhängig
– abhängig von ausreichendem (trockenem) Brennmaterial
– relativ aufwendiger Startprozess
– verrusste Töpfe

Topf-Favoriten

Gängige Materialien für Kochgeschirr sind Edelstahl, Aluminium, Titan und Kombinationen, zum Teil mit Beschichtung. Die Wahl des richtigen Topfes ist eine Frage des Tourencharak­ters und nicht zuletzt des Geldbeutels.

Für Trekking- & Allround-Einsätze

Kochgeschirr aus gehärtetem Aluminium. Es ist leicht, robust und leitet die Hitze gut weiter. Modelle mit zusätzlicher Keramik- oder Teflon-­Antihaftbeschichtung sind einfach zu reinigen und brauchen zum Anbrutzeln fast kein Fett. Aber Vorsicht: Metallbesteck und Beschichtung vertragen sich nur sehr bedingt. Tipp: Ein Wärmetauscher am Unterboden bringt den Inhalt schneller zum Kochen.

Ultraleicht-Touren

Wo Grammjäger unterwegs sind, ist Titan meistens nicht weit. Selten wird auf Ultraleicht-Touren geschlemmt, sondern möglichst effizient gefuttert. Dafür reicht in der Regel ein Topf zum reinen Erhitzen von Wasser. Meist sind die Töpfe so bemessen, dass eine Standard-Gas-Kartusche in ihnen Platz findet.

Camping & Kanu

 Wo Gewicht und möglichst simples Abspülen keine Rolle spielen, leisten Edelstahl-Töpfe gute Dienste, da sie sehr robust, langlebig und vergleichsweise preiswert sind. Sie eignen sich sehr gut für das Kochen direkt auf dem Lagerfeuer.

Trickkiste

So geht effizientes Kochen

  • Koche immer mit Windschutz! Nimm einen ultraleichten vom Hersteller, nutze natürliche Barrieren oder baue dir einen aus Steinen, dicken Ästen oder Schnee.
  • Ein Alublech unter dem Kocher dient als Hitzereflektor und steigert die Heizleistung.
  • Koche mit geschlossenem Deckel.
  • Nutze Töpfe mit Wärmetauscher.
  • Verwende klein geschnittene Lebensmittel mit kurzer Garzeit (siehe Infokasten «Kulinarik kal­kulieren» S. 92).
  • Heizleistung drosseln. Schon mit 75 % der möglichen Brenn-Power wird ein maximaler Kocheffekt erzielt.
  • Topfgrösse anpassen, d. h. kleine Kocher auch mit kleineren Töpfen kombinieren.
  • Heisses Restwasser in Isolier­flaschen füllen und für die nächste Mahlzeit oder zum Abspülen verwenden.

Tipp: Gasverbrauch richtig kalkulieren. Für einen Sommertag kannst du pro Person inklusive etwas Reserve ca. 100 g Gas rechnen, im Winter ca. 230 g.

ACHTUNG LEBENSGEFAHR: Koche nie im Innenzelt! Beim Verbrennungsprozess entsteht das tödliche, aber geruchlose Gas Kohlenmonoxid. Zudem besteht die Gefahr von Brandschäden. Wenn du in der Apside köcheln musst, unbedingt ausreichend belüften.

Menüvorschläge

Menü 1:
Tütenzauber

Ohne Frage: Schneller, unkomplizierter und leichtgewichtiger geht es eigentlich nicht. Wasser aufkochen, Tüte aufreissen, mit Wasser auffüllen, umrühren, zehn Minuten quasseln, fertig. Instant-Trekking-Mahlzeiten waren früher eher grausam, mittlerweile haben sie sich gemausert. Aus dem reinen Irgendwas-mit-Nudeln-Mix ist eine Vielfalt aller Tagesgerichte geworden – von deftig bis vegan, von Müesli bis Mediterraner Fischtopf. Unser Instant-Menüvorschlag:

  • Frühstück:Vollkorn-Früchtemüsli
  • Zmittag:Quinoa mexikanische Art
  • Nachtessen:Huhn in Curryreis
  • Bettmümpferli:Mousse au Chocolat

MENÜ 2: LEICHT, LECKER
UND (FAST) HAUSGEMACHT

Auf Tour richtig aufzukochen, benötigt ein gutes Gespür für Logistik und den Willen, ein paar mehr Körner für leckeres Essen verbrennen zu müssen. Allerdings bedeutet selbst gemacht nicht automatisch schwer. Zahlreiche Webseiten und Bücher beschäftigen sich mit der Kreation gelungener Outdoor-Mahlzeiten. Zwei äusserst hilfreiche Maschinchen dafür sind ein Vakuumiergerät – Vakuumieren spart enorm Packmass und hält Produkte länger frisch – und ein Dörrautomat, welcher Lebensmitteln die Feuchtigkeit entzieht und sie damit haltbarer und wesentlich leichter macht. Gefriergetrocknete Zutaten sind eine weitere Möglichkeit, leicht und dennoch schmackhaft unterwegs zu kochen. Unser Menüvorschlag:

  • Frühstück: 300 g Mehl, 3 Esslöffel Zucker, 1 Päckli Vanille­zucker, 1 Päckli Backpulver und eine Prise Salz mit 500 ml kaltem Wasser gut vermischen. Dann gefriergetrocknete Blau- oder Himbeeren dazugeben. Pfanne erhitzen, Teig rein und goldbraun backen.
  • Zmittag: Wasser erhitzen und vom Kocher nehmen, Instant-Reisnudeln hineingeben, rote Curry-Paste und Kokosmilchpulver dazu, kurz ziehen lassen. Zum Schluss gefriergetrocknete Erbsen und Garnelen. Geht schnell, macht warm und füllt die Treibstofftanks wieder auf.
  • Nachtessen: Couscous mit heissem Wasser übergiessen und abgedeckt fertiggaren lassen. Zwiebeln, luftgetrocknete Tomaten, Chilischoten, Knoblauch, Speckwürfel und Pinienkerne mit Olivenöl oder Butterflocken anbrutzeln. Mit etwas Wasser ablöschen und Tomatenpulver einrühren. Köcheln und abschmecken. Couscous dazugeben. Fertig und Feierabend.
  • Bettmümpferli: zu müde – einfach ein Stück Schoggi

Kulinarisch kalkulieren

Die richtige Planung der Essensrationen ist gerade bei längeren Touren das A und O. Energie, Rucksackgewicht, gute Laune und nicht zuletzt das Überleben abseits der Zivilisation hängen von ihr ab. Dabei ist die Nahrungslogistik weniger ein Standardprozess als ein Herantasten an die richtige Kombination aus Faktoren wie Tätigkeit, Streckenlänge und -intensität, Temperatur und Witterung, aber auch persönlichen Bedürfnissen (guter /schlechter Kostverwerter, Grösse, Gewicht, Alter, Leidensfähigkeit, Fitness).

Grob gesagt gilt: Je kälter und anstrengender die Tour, desto höher der Kalorienbedarf.

Wenn es wirklich ans Eingemachte geht, muss der Taschenrechner ran: Kalorien zählen. Auf jedem abgepackten Lebensmittel sind die Nährwertangaben aufgedruckt. Den Kalorienbedarf kannst du im Internet ausrechnen. Grob gesagt: Ein 40-jähriger, 185 cm grosser und 85 kg schwerer Mann verbraucht an einem normalen Büroarbeitstag ohne Sport ca. 3500 kcal, eine 30-jährige, 175 cm grosse und 66 kg schwere Frau ca. 2500 kcal. Je nach Intensität und Dauer der Aktivität kommen pro Tourentag zwischen 1500 und 3000 kcal dazu.
Unter kalorientabelle.net findest du Nährwertangaben zu vielen Lebensmitteln.

WICHTIG: Unbedingt immer ausreichend Reserven einplanen!

Generell gilt: Leichte, möglichst trockene Lebensmittel mit hohen Kalorienwerten und kurzer Koch- oder Quellzeit sind die ideale Touren-Nahrung. Instantmahlzeiten erfüllen diese Kriterien zwar, sind aber relativ teuer und nach ein paar Tagen stellt sich eine gewisse Unlust auf Geschmack und Konsistenz ein. Lohnende Alternativen sind Couscous, Reisnudeln und Kartoffelbrei. Dazu leichte Würzmischungen, hochkonzentrierte Pasten und gefriergetrocknete Zutaten.

ABER: Spass sollten die Mahlzeiten gerade auf langen Touren auch machen, deshalb lohnt es sich, das eine oder andere «unvernünftige» Mümpfeli mitzuschleppen.

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