Ljubljana: Sport, Schlemmen und Kultur

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Schüchterne Schönheit

Sanft im Geschmack, überraschend im Abgang. Ljubljana gleicht den Weinen, die auf den Hügeln rings um die Stadt spriessen. Die slowenische Hauptstadt drängt sich nicht auf und trifft doch den Geschmack fast aller Besucher. Sie erwartet von ihren Gästen keine «Entweder-oder-Lösung». Sie bietet eine besonders reizvolle Art des «All-inclusive-Urlaubs». Ljubljana – ein Spielplatz für Outdoor-Sportler und Kulturbegeisterte.

Text: Barbara Meixner
Aufmacherfoto: B. Cvetkovic

Ein gleichmässiges Rattern lässt die Menschen am Marktplatz von Ljubljana aufhorchen. Es sind dicke Mountainbike-Reifen auf Kopfsteinpflaster. Eine Gruppe in bunter, schlammüberzogener Kleidung versammelt sich mit ihren Bikes neben prall gefüllten Obstständen. Die Reifen, samt Besitzern, durften gerade steile Trails erkunden. Und das in einer barocken Altstadt?

Umringt von Sportarenen

Um das zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die Landkarte. Ljubljana ist umgeben von zwei Stadtmauern. Die eine besteht aus Stein, ist von menschlicher Hand geschaffen und mit Toren versehen. Die andere ist eine natürliche: Hügel und Bergketten, die sich um die Stadt legen und sie zu einem grünen Kessel machen. Ein Kessel, der an Wochenenden zum sportlichen Spielplatz für Outdoorer mutiert und «Kletter-Affen» ebenso glücklich macht wie «Wildwasser-Ratten» – oder eben auch Biker.

«Morgens Biken und nachmittags mit Freunden und Kuchen im Café sitzen…»

Ljubljana ist mit knapp 300 000 Einwohnern eine kleine Hauptstadt, jedoch mit vorteilhafter Lage. Der warme Wind vom nahen Mittelmeer weht herauf bis an die mittelalterliche Burg, die über der Stadt wacht wie ein Hofhund. Für den ehemaligen Downhill-Profi Bostjan ist die Landschaft rund um Ljubljana Teil der Stadt.

Ljubljana bei Slowenien

«Am besten morgens Biken und nachmittags mit Freunden und Kuchen im Café sitzen», so sein Credo. Die kurzen Distanzen in Ljubljana und Slowenien machen es möglich. Am späten Nachmittag legen sich die langen Schatten der Trauerweiden am Ljubljanica Fluss über die Cafés, die sich mit immer mehr jungen Menschen füllen. Vereinzelt treiben Kajaks an der Flusspromenade vorbei.

Eine Brise «Dolce Vita»

Sonnensuchende, die den Feierabend nicht schlemmend, sondern sportlich paddelnd auf dem ruhigen Gewässer ausklingen lassen. Mit ein bisschen Kraft in den Oberarmen lässt es sich vom südlich gelegenen Moor in ein paar Stunden durch die komplette Altstadt paddeln. Und noch viel weiter. Ungezwungen ist die Stimmung der Gäste, die sich die vom nahen Österreich beeinflussten Torten schmecken lassen. Auch der ein oder andere italienische Apéro hat schon seinen Weg auf den Tisch gefunden. Doch was ist eigentlich typisch slowenisch? «Ein bisschen was von allen umliegenden Ländern», lacht Urška. «Wir Slowenen rücken uns nicht gerne in den Mittelpunkt, sondern geniessen die kulturellen Einflüsse, die sich in Ljubljana vereinen.»

Ljubljana

In Sloweniens Mitte treffen Pasta, Palatschinken und Cevapcici mit einem Lächeln im Gesicht und einem Weinglas in der Hand friedlich aufeinander. Eine Stadt der leisen Töne. Nur im Sommer wird aus dem slowenischen Pianissimo stetig ein beeindruckendes Crescendo. Mittlerweile ist die Sonne verschwunden und hinterlässt warme Sommerluft in den Strassen. Es ist Zeit für Musik: Spät am Abend rücken sich ein paar Junge Ljubljanas mit Saxofon, Gitarre und Klarinette in den Mittelpunkt am Rathausplatz. Aus beruflichen Gründen versteht sich. Das Ljubljana Jazzfestival findet seit 1952 alljährlich ein Zuhause in der kleinen Stadt und erfüllt die Plätze und Parks mit zeitgenössischer musikalischer Kreativität. Melodien und Gesang durchdringen die engen Gassen. Doch schon bald nach Mitternacht kehrt Ruhe am Ljubljanica Ufer ein. Die Nacht bringt den Nebel vom Moor, der wie ein Nachtwächter durch die Gassen wandert und kontrolliert, ob die Menschen friedlich schlafen. Denn ausgeschlafen lässt es sich morgens besser einen alpinen und abends einen kulinarischen Gipfel besteigen.

Steckbrief

EINWOHNER 283 000
ALTERSDURCHSCHNITT 30 Jahre
ANZAHL MUSEEN 14
WEINKONSUM PRO KOPF 37,5 Liter jährlich
STADTGERICHT Kranjska Klobasa – Krainer Wurst
SPRACHE Slowenisch, viele Slowenen sprechen auch deutsch
WÄHRUNG Euro

ANREISE
AUTO 700 Kilometer ab Zürich. Über Österreich / A10 Villach oder Italien / A1 Triest. Mautgebühren Slowenien beachten.
FLUGZEUG Adria Airways fliegt im Sommer dreimal täglich zwischen Ljubljana und Zürich. Flugzeit: eine Stunde. www.adria.si
REISEZEIT Mai bis September. Durchschnittstemperaturen im Juli 20,6 Grad
ABSTECHER 100 Kilometer: Am «Mausfels» (Misja Pec) in Osp trifft sich dank milder Temperaturen das ganze Jahr die Kletterelite aus aller Welt. 140 Kilometer: Bovec dient als Ausgangsort für Paddel- und Canyoning-Touren im Socˇa-Tal. 50 Kilometer: Der Ort Bled ist Startpunkt für zahlreiche Bergtouren im Triglav Nationalpark.

Touren rund um Ljubljana

MOUNTAINBIKE

Technisch anspruchsvoll oder eine flowige Feierabendrunde. Die Hügel um Ljubljana zeigen sich von ihrer vielfältigen Seite und bieten Mountainbikern zahlreiche Möglichkeiten. Wenige Kilometer westlich hinter der Stadtgrenze lassen sich die bewaldeten Hügel von Podutik erkunden. Direkt hinter der Burgmauer beginnen leichte Trails in Richtung Osten. Wer höher hinaus will, kann hinter dem Moor auf den Berg Krim hinaufstrampeln und von dort oben – nach der Aussicht auf die Stadt samt Alpen im Hintergrund – die technisch eher schwierigen Trails geniessen. Bike-Guide Bostjan organisiert individuelle Touren und Bike-Verleih in und um Ljubljana. Sein Lieblingstrail heisst jajcˇkova – der Eiertrail. «Der Name kommt von den Wegmarkierungen. Ein hellblauer Ring um eine gelbe Mitte. Mein Liebling, weil man in weniger als eineinhalb Stunden wieder zu Hause sein kann.»
www.ljubljana-outdoor.com

BOOT

Wild und spritzig ist ein Ausflug auf dem fünf Kilometer nördlich von Ljubljana gelegenen Fluss Sava. Dort bietet die Wassersport-Familie Skok Rafting, Wildwassertouren und Ausrüstung für Anfänger und Fortgeschrittene an. Ein bisschen ruhiger, dafür kulturell und landschaftlich sehr spannend, ist die Strecke zwischen der 20 Kilometer weiter südlich gelegenen Stadt Vrhnika und Ljubljana. Über die Ljubljanica treibt man in zwei bis drei Stunden durch eine einsame Flusslandschaft und kann die gemütliche Fahrt bist in die Altstadt Ljubljanas fortsetzen.
www.skok-sport.si

KLETTERN

Exakt an der Quelle des Ljubljanica Flusses, mit dem Auto eine halbe Stunde von der Stadt entfernt, liegt versteckt ein vielseitiger Kletterfelsen. Die 26 Routen am überhängenden Felsen variieren in Schwierigkeitsgraden zwischen 5a und 8b. Der slowenische Bergführer Tomaz Jakovic schätzt an diesem Felsen besonders den Schatten an heissen Sommertagen und die Bademöglichkeit nach einer schweisstreibenden Route. «Für Kletterer aus Ljubljana ist das der ideale Ort für Tagesausflüge und zum Trainieren.» Anfahrt: über die Südautobahn Richtung Koper – Ausfahrt Vrhnika. 84 weitere slowenische Klettergebiete werden im Slowenien-Kletterführer «Slovenija – športopleznalni vodnik» vorgestellt. Erschienen im Sidarta Verlag.
www.gorniskasola.net

BERGSTEIGEN

Nur 50 Kilometer liegen zwischen dem Frühstückstisch in Ljubljana und den Julischen Alpen. In der Nähe von Bled befindet sich der Nationalpark Triglav, der vier Prozent der gesamten Fläche Sloweniens einnimmt. Frühaufsteher können den 2864 Meter hohen Berg Triglav in einem Tagesausflug von Ljubljana aus meistern. Eine gemütliche Tour mit Ausblick auf die Bergszenerie im Norden bietet der Hausberg Ljubljanas, der Šmarna Gora (669 Meter). Nach etwa zweistündiger Wanderung versammeln sich hier am Wochenende die Städter auf der Hütte zum geselligen Schlemmen und Sonnetanken.
www.tnp.si

Essen und Schlafen

ÜBERNACHTUNG

Hotel Cubo: Das 4-Sterne-Hotel liegt genau am Hauptplatz, an dem sich im Sommer das Leben abspielt. Es punktet mit aussergewöhlichem Design, grosszügigen Zimmern mit Burgblick. Zimmer ab CHF 200.
www.hotelcubo.com

(2) Hostel Celica: Wer einmal im Gefängnis nächtigen möchte, ist hier richtig. Die ehemaligen Zellen wurden in Gästeräume umgewandelt. Saubere Mehrbettzimmer mit puristischer Einrichtung. Zimmer ab CHF 30.
www.hostelcelica.com

(3) Appartements Kollmann: Die erst kürzlich renovierten schicken Altbauwohnungen bieten Platz für 2 – 6 Personen. Zur Ausstattung gehört eine kleine Küchenzeile mit Geschirr. Preise: ab CHF 100 für zwei Personen.
www.ljubljana-apartments.eu

(4) «Ljubljana Resort»: Der ausladende Campingplatz am Stadtrand ist leicht über die Autobahn zu erreichen. In die Stadt gelangt man mit dem öffentlichen Bus in circa 20 Minuten. Ganzjährig geöffnet. Standplatz ab CHF 15.
www.ljubljanaresort.si

ESSEN

Slowenen essen gerne und am liebsten frisch und viel. Wer die Nähe zur Adriaküste erschmecken möchte, probiert Frisches aus dem Meer am besten im Restaurant, Fischgeschäft und Imbiss «Valetin» (1) direkt am Marktplatz. Zu einer Reise auf den Balkan lädt das Restaurant «Sarajevo 84» (2) ein, das die bodenständige Seite des Balkans auf den Tisch bringt. Ein «Must Eat» ist die Würstelbude «Klobasarna» (3) neben dem Rathaus. Dort gibt es die traditionelle slowenische Krainer Wurst zum Mitnehmen.
www.skok-sport.si

BARS

Der Einfluss des nahen Österreich ist auf Schritt und Tritt in Form von Kaffeehäusern zu spüren. Leckere Torten in allen Variationen gibt es im «Kavarna Zvezda»-Café (1). Neben viel Kaffee kommt aber auch der Wein nicht zu kurz. Ausgewählte Weine erhält man in der elegant designten Wein-Bar Movia (www.movia.si) (2), die den Wein vom gleichnamigen slowenischen Weingut bezieht. Bier und Rockmusik gibt es im Bar-Künstler-Viertel «Metelkova» (3).
www.gorniskasola.net

KULTUR

Ljubljanas Strassen tragen Noten – und das den ganzen Sommer. Klassikkonzerte (1), Strassentheater und Ballett-Aufführungen – alles tummelt sich während des «Ljubljana Festival» in der kleinen Stadt. Modernere Töne wabern seit 55 Jahren während des Ljubljana Jazzfestivals durch die Strassen. Auch das Auge kommt dank Grafikbiennale und Kino-Open-Airs im «Vorgarten» des Museums für Kontemporäre Kunst (2) nicht zu kurz.

EINKAUFEN

Immer samstags verwandelt sich ein Grossteil der Stadt in einen Handwerks- und Bio-Lebensmittelmarkt, unter anderem mit Wildschweinschinken, Holzschmuck und Schnaps. Hier gibt es, was das Qualität suchende Herz begehrt. Interessante Boutiquen von jungen Designern finden sich entlang der Fussgängerzone direkt unter der Burg und am Fluss entlang.

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