Test: Softshells

Zwischen den Welten

Softshell-Jacken sind vor allem ein guter Kompromiss. Sie verbinden die Vorteile einer dichten Hardshell-Jacke mit denen einer luftdurchlässigen Fleecejacke – und könnten so die perfekten Allrounder im Bergsport sein. Doch keine Vorteile ohne Nachteile.

Text: Alexandra Schweikart

Die perfekte Softshell-Jacke ist eine Jacke für alles. Sie ist vielseitig, wetterfest, ein Produkt für jeden Sport. Doch gibt es das überhaupt? Hinter dem Begriff «Softshell-Jacken» verbirgt sich eine bunte Ansammlung von Oberbekleidung: von winddichten dreilagigen Konstruktionen mit Membran bis hin zu hauchdünn gewobenen Stöffchen mit hohem Elasthan-Anteil, durch die der Wind durchpfeift. Zu dieser Testrunde hat der Outdoor Content Hub zwölf überaus unterschiedliche Jacken mit der Bezeichnung «Softshell» gebeten – ins Labor und zum Praxistest.

Den vollständigen Test lesen Sie im gedruckten Outdoor Guide No. 31, der hier erhältlich ist.

Diese Jacken haben wir getestet:

Arc’teryx Sigma SL Anorak
Black Yak Modicana Jacket
Haglöfs Skarn Hybrid Jacket
La Sportiva Mars Jacket
Ortovox Col Becchei / Piz Duleda
Outdoor Research Ferrosi Jacket
Rab Integrity Jacket
R’adys R3 Light Softshell Jacket
Salewa Pedroc Hybrid Polartec Alpha Jacket
Salomon Ranger Jacket
Schöffel WS Hoody Keylong / Kashgar
Vaude Skarvan S Jacket

So hat der Outdoor Content Hub getestet

Wir haben 12 Softshelljacken über einen mehrwöchigen Zeitraum in Labor- und Praxiseinheiten bearbeitet. Die Labortests wurden in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut für Textilchemie und Textil­physik der Uni Innsbruck und der Firma Fussenegger durchgeführt.

Folgende Labortests wurden durchgeführt:

Die Luftdurchlässigkeit wurde nach EN-ISO 9237:1995 gemessen. Dabei wird ermittelt, wie viele Liter Luft durch einer runde Fläche Jackenstoff von fünf Zentimetern Durchmesser innerhalb einer Minute durchgesaugt werden können. Je mehr Luft durchgesaugt wird, umso weniger winddicht ist die Jacke. Werden Null Liter Luft durch den Stoff gesaugt, gilt die Jacke als absolut Winddicht.

Bewertung:

1 Punkt: komplett luftdurchlässig

10 Punkte: komplett winddicht

Wir haben uns für die Messung des Wasserdampfdurchlasses für den MVTR-Test nach der Upright-Cup-Methode (ASTM E96(B)) entschieden. Der Test wurde bei 20°C und 65 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit durchgeführt, am Messplatz hatten wir einen Luftzug von 0,2 m/s. Dabei wurden die Jacken über mit Wasser befüllte Becher gespannt und fixiert. Der Wasserdampfdurchlass ergibt sich aus dem Gewicht des befüllten Bechers vor und nach der Messung.

Bewertung:

1 Punkt: kein Durchlass (0 g/m2/24h)
10 Punkte: maximal möglicher Durchlass (offenes Gefäss)

Bei einem sogenannten Spray-Test nach EN ISO 4929:2012 wurden die wasserabweisenden Eigenschaften der Jackenoberfläche bestimmt. 250 ml Wasser wurden auf die Jacken, die auf einem Spannring befestigt und in einem Winkel von 45° aufgestellt waren, gesprüht. Die Mitte der Messprobe befand sich jeweils in einem festgelegten Abstand zur Sprühdüse. Die Bewertung erfolgte durch den Vergleich des Aussehens der Messprobe mit beschriebenen Beurteilungen und Fotografien. Die Bewertung lag hier zwischen Iso 1 (Fläche komplett mit Wasser benetzt) und Iso 5 (keine Benetzung der Oberfläche mit Wasser). Diese Messung wurde an den nagelneuen Jacken durchgeführt, sowie nach intensivem Praxiseinsatz und drei Wasch- und Schleudergängen wiederholt.

Bewertung:

1 Punkt: nicht haltbar (Iso 1)

10 Punkte: haltbar (Iso 5)

Alle Testjacken wurden in einem Messbecher komprimiert und mit vier Kilogramm Gewicht beschwert, um Kompression, wie z.B. im Rucksack, zu simulieren. Der Volumen-Wert wurde in Liter an der Messbecherskala abgelesen. Das Gewicht wurde mit einer Präzisionswaage bestimmt.

Bewertung:

1 Punkt: grösstes Packmass und schwerste Jacke (3 Liter und 666g)
10 Punkte: kleinstes Packmass und leichteste Jacke (1,2 Liter und 290g)

Folgende Praxis-Tests wurden durchgeführt:

Für den Outdoor-Laborversuch wurde eine Strecke ausgearbeitet, die zwei Tester (ein Mann, eine Frau) mit nahezu exakt wiederholbarer Gehzeit laufen konnten (+/- 1 Minute) und die ausreichend steil für den Schweissfluss war. Zusätzlich wurde eine Umziehmöglichkeit und eine Waage für Jacken und Baselayer eingerichtet. Die Länge der Teststrecke belief sich auf 1,4 Kilometer, dabei waren 120 Höhenmeter zu bewältigen. Die Zeitvorgabe pro Testrunde lag bei exakt 18 Minuten. Nach jeder Runde wurden die Jacken gewogen und gewechselt, dazu ein Glas Wasser getrunken. Vor und nach jeder Testrunde hielten die Probanden jeweils fünf Minuten inne, um Körper, Jacke und Sensoren zu akklimatisieren.

Testläufe Teil 1: Befragung Probanden

An mehreren festgelegten Wegpunkten mussten die Probanden ihr subjektives Schwitzgefühl zu Protokoll geben, unterteilt in eine Skala, die von «sehr angenehm» bis «sehr unangenehm» reichte.

Auch der Trage- und Bedienkomfort wurde bewertet: Wie gut lässt sich die Jacke an- und ausziehen und verstellen? Wie laufen die Reissverschlüsse? Erreicht man alle Taschen? Jede Jacke bekam zu Beginn die maximal möglichen 10 Punkte, jede negative Auffälligkeit ergab einen Punkt Abzug in der Wertung.

Bewertung:

1 Punkt: unkomfortabel (1)
10 Punkte: sehr komfortabel (10)

Testläufe Teil 2: Sensormessungen

Für detaillierte, objektive Messergebnisse aus der Praxis wurden Feuchtigkeits- und Temperatursensoren eingesetzt. Angebracht wurden sie an jeweils drei festgelegten Platzierungen: direkt auf der Haut (Sensor I), auf dem Funktionsshirt (Sensor II) und an der Jackenaussenseite (Sensor III). Die Datenaufzeichnung verlief in Zehn-Sekunden-Intervallen. Je weniger Feuchtigkeit eine Schicht passieren lässt, desto höher die relative Feuchtigkeit in den darunterliegenden Schichten, was unsere Sensoren unerbittlich aufzeichneten. Je mehr Feuchtigkeit an den Sensoren I und II gemessen wurde, desto unangenehmer wurde das Klima unter der Jacke bewertet. Als Mass für den Wasserdampfdurchgang gilt der Unterschied zwischen den Sensoren II und III. Je stärker dort das Gefälle ausfiel, umso grösser der Widerstand der Jacke und umso weniger Dampf liess sie entweichen. Um die Jacken vergleichbar zu machen, haben wir die Jacken am Bund zugezogen, die Kapuzen aufgesetzt und die Unterarmbelüftungen geschlossen gehalten. Aus den Testläufen ergab sich der Wert «Wasserdampfdurchlass Praxistest».

Bewertung:

1 Punkt: wenig wasserdampfdurchlässig (d. h. grosser Unterschied Sensor II zu III und sehr unangenehmes Empfinden)
10 Punkte: stark wasserdampfdurchlässig (d. h. geringer Unterschied Sensor II zu III und sehr angenehmes Empfinden)

Ausstattung

Der Umfang von Ausstattung und Verstellmöglichkeiten wurde ebenfalls bewertet. Klettverschlüsse, Kordelzüge, Taschen und Unterarmbelüftung: Je ein Plus pro Tasche oder Verstellmöglichkeit.

Bewertung:

1 Punkt: wenig Ausstattung (kleinster Wert: 2 Extras)
10 Punkte: viel Ausstattung (grösster Wert: 10 Extras)

Das könnte Sie interessieren

Kommentar hinterlassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Outdoor Guide

Outdoor Guide GmbH
Eichbergerstrasse 60
CH-9452 Hinterforst

Email: info@outdoor-guide.ch
Phone: +41 71 755 66 55


Folgen Sie uns auf:

Enter-Taste drücken