Der grosse Skitest: 41 Paar Ski für Tour, Freeride und Allmountain

Wahlhelfer

Wahlen stellen Weichen. Hat man sich erst einmal entschieden, muss man eine Weile mit dem Kandidaten klarkommen. Der Outdoor Guide hat Trends analysiert und beim Test im Freeride-Mekka Lech Zürs am Arlberg 41 Aspiranten unter die Lupe genommen. Wir verraten dir, mit welchen du ganz individuell auch nach der Wahl noch zufrieden sein kannst.

Text & Fotos: Christian Penning

Mit Wahlversprechen ist das so eine Sache. Nicht immer hält ein Kandidat, was er verspricht. Deshalb gilt es, die tatsächlichen Kompetenzen vor der Entscheidung genau abzuklopfen. Das gilt auch und gerade für die Auslese der passenden Touren-, Freetouring-, Freeride- oder Allmountain-Ski. Denn im Sport wie in der Politik treten Stars und Blender oft direkt nebeneinander auf. Und bisweilen ist es gar nicht so einfach, beide auf den ersten Blick zu unterscheiden.

Dabei hat die Auswahl des richtigen Skis einen Vorteil. Im Gegensatz zu politischen Wahlen benötigt man nur die eigene Stimme, um das beliebäugelte Modell in den Schnee zu bringen. Und ist man mit dem Kandidaten hinterher doch nicht zufrieden, kann man ihn immer noch in den Keller sperren – oder einfach verkaufen. Soll doch ein anderer damit glücklich werden!

Doch man möchte sich natürlich auch als Skifahrer möglichst keine persönliche Wahlschlappe leisten. Deshalb lohnt es sich, mögliche Anwärter schon vor dem Kauf genau unter die Lupe zu nehmen. Und auch aktuelle Trends sollte man hinterfragen, um zwischen Hype und tatsächlich wertvollen Innovationen zu unterscheiden. Deshalb haben wir zusätzlich zum Praxistest im Freeride-Mekka Lech Zürs am Arlberg mit Experten gesprochen und Meinungen gesammelt. Ausserdem liessen wir in Zusammenarbeit mit den Kollegen des norwegischen Ski-Magazins Fri Flyt erstmals auch Labordaten in die Beurteilung mit einfliessen. In den Testcharakteristiken findest du jeweils die an einem speziell angefertigten Messstand erhobenen Steifigkeitswerte.

«Dank der Erfahrungen aus dem Bereich Tourenski werden auch die Freeride-Ski immer leichter, ohne wirkliche Einbussen bei den Abfahrtseigenschaften hinnehmen zu müssen»

Freetouring pusht Touren-Trend weiter

Würde man unter den Schweizer Skifahrern eine Volksabstimmung durchführen, käme mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit heraus, dass ein steigender Prozentsatz für Aufstiege aus eigener Kraft plädiert. Die Skihersteller haben längst auf diese Forderung der Wähler reagiert. Auf der Internationalen Sportartikelmesse ispo in München, die als jährliche Trendshow der Wintersportbranche gilt, waren Touren- und Freetouring-Neuheiten das dominierende Thema. Gerade bei den breiten, aufstiegstauglichen Freetouring-Ski und entsprechenden Skischuhen läuft die Innovationsmaschine derzeit auf hohen Touren. «Meiner Meinung nach gibt es in der Skikategorie mit Mittelbreiten zwischen 95 und 105 Millimeter ganz klar am meisten Neuheiten», sagt Felix Bösch, Country Manager Schweiz bei K2.

Gemässigt breite Freeride-Ski, gekreuzt mit modernem Leichtbau-Knowhow aus der in den vergangenen Jahren aufblühenden Tourenski-Fertigung sind «the next big thing». Freeride und Freetouring verschmelzen immer mehr. Darin sind sich die Experten der Skibranche einig. Salomon Brand Manager Eliane Volken prognostiziert sogar: «Das klassische Freeride entwickelt sich zum Freetouring.» Der Hintergrund ist einfach. «Das sind die gleichen Skifahrer», weiss Yves Isler von Head Schweiz, «die gleiche Zielgruppe.» Die Hänge in Liftnähe sind an Neuschneetagen schnell verspurt – da suchen viele Freerider nach neuen Jagdgründen mit makellosem Weiss. Traditionelle, schwere Freeride-Ski sind da eher schweisstreibender Ballast. Deshalb greifen immer mehr zu gewichtsoptimierten Freetouring-Modellen, die dank moderner Leichtbau-Technologien auch eine gute Abfahrts-Performance bieten. «Dank der Erfahrungen aus dem Bereich Tourenski werden auch die Freeride-Ski immer leichter, ohne wirkliche Einbussen bei den Abfahrtseigenschaften hinnehmen zu müssen», behauptet Silvan Nideroest von Atomic.

Die Ski-Modelle 2018 im Überblick

Allmountain

Tourenski

Freetouring

Freeride

 

Leichtbau – deutliche Performance-Unterschiede

Das funktioniert schon ganz gut, wenngleich der Test zeigt, dass es deutliche Unterschiede in der Abfahrts-Performance der Freetouring-Modelle gibt. Die hängen in erster Linie mit der Biege- und der Torsionssteifigkeit zusammen. Die sehr leichten Modelle sind in der Regel auch weniger steif. Für Einsteiger und Fahrer, die eher im unteren Geschwindigkeitsbereich unterwegs sind, kann das durchaus ein Vorteil sein. Wer einen Ski sucht, der auch bei hohem Tempo laufruhigen und auf hartem Untergrund guten Kantengriff bietet, muss meist etwas mehr an Gewicht in Kauf nehmen. Je nachdem, wie wichtig einem eine gute Abfahrts-Performance ist, sollte man also überlegen, ob es tatsächlich immer das leichteste Modell sein muss. Letztendlich ist die Entscheidung für einen mehr oder weniger stabil und straff abgestimmten Ski auch eine Frage des Fahrstils und der Verhältnisse, bei denen man bevorzugt unterwegs ist. «Tatsächlich brauchen die Ski nach wie vor eine gewisse Masse, um genügend Laufruhe und Stabilität zu ermöglichen», umreisst Silvan Nideroest die Grenzen des Leichtbaus. Mit den derzeit verfügbaren Materialien sei da nicht mehr allzu viel drin. Doch mit Know-how-Transfer aus anderen Branchen scheint in Zukunft noch einiges möglich. Die Frage ist nur, ob solche Technologien auch erschwinglich sind.

Die Grenzen zwischen den Skikategorien werden immer fliessender. Das macht die Wahl der passenden Bretter am Ende nicht unbedingt leichter. Auch Touren- und Freetouring-Ski nähern sich in Bauweise und Shapes immer mehr an. «Der Unterschied in der Konstruktion zwischen Tourenski und Freetouring-Ski wird immer kleiner», stellt Mathieu Fauve fest, zuständig für die Skientwicklung beim Schweizer Hersteller Stöckli. Gut möglich, dass es in ein paar Jahren für’s Backcountry hauptsächlich Tourenmodelle geben wird, die je nach Einsatzbereich und persönlichen Vorlieben mal schmaler, mal breiter sind. Schwere, robuste Freeride-Ski werden dann wohl auch noch erhältlich sein, doch ihr Anteil wird zurückgehen.

Durchaus differenziert sieht Jonathan Hilborn den Leichtbau-Trend. «Wenn es um Ski für Touren oder fürs Skibergsteigen geht, hat geringes Gewicht natürlich eine sehr hohe Priorität», meint der Product Coordinator Europe bei Black Diamond. «Aber man sollte weniger über minimales Gewicht diskutieren, als über die optimale Balance von Gewicht und guten Fahreigenschaften. Wann, wo und wie die betreffenden Skimodelle verwendet werden, sollte dabei im Vordergrund stehen.»

«Wenn es um Ski für Touren oder fürs Skibergsteigen geht, hat geringes Gewicht natürlich eine sehr hohe Priorität»

[/vc_column_inner][/vc_row_inner]

Freeride-Ski: Weniger (Breite) ist mehr

Massvoll kommen Leichtbau-Technologien auch bei herkömmlichen Freeride-Ski zum Einsatz. In erster Linie, wird am reduzierten Schwunggewicht gearbeitet. So setzt Rossignol beim «Soul 7 HD» wie schon bei den Vorgängern auf eine Honigwaben-Konstruktion an der Schaufel und am Heck. Head setzt die High-Tech Materialien Karoyd (Wagentechnologie) und Graphene (extrem leicht und stabil) in Verbindung mit einem Leichtholzkern ein. Leichtgängigkeit und Vielseitigkeit bei gleichzeitig hoher Abfahrts-Performance ist das grosse Thema, an dem die Hersteller arbeiten. Auffällig: Extrem breite Modelle verschwinden zunehmend aus den Kollektionen oder werden nur noch in sehr kleinen Stückzahlen für Liebhaber produziert. Dabei spielen auch die Skikultur und entsprechende regionale Präferenzen eine Rolle. «In der Ostschweiz sind weniger breite Modelle gefragt als in der Romandie», erklärt Philippe Egli von Elan.

Aber auch die relativ schneearmen Winter der vergangenen Jahre sind ein Grund dafür. Sowie Konstruktions-Kniffe, die vergleichbaren Auftrieb auch bei weniger Skibreite als bisher ermöglichen: «Durch innovative Bauweisen lässt sich der für Freeride-Ski wichtige Auftrieb im Tiefschnee auch mit moderaten Skibreiten erzielen», sagt Yves Isler. Der Schlüssel dazu sind ausgefeilte Rocker-Konstruktionen und eine entsprechende Abstimmung der Skihärte im Bereich von Schaufel, Skimitte und am Skiende. «Ein guter Freeride-Ski muss heutzutage nicht zwingend sehr lang, breit und steif sein», bringt es Jonathan Hilborn auf den Punkt.

 

Multisportiv – die neue Vielseitigkeit

Vielseitigkeit ist bei der Konstruktion neuer Skimodelle kategorieübergreifend ein wichtiger Aspekt. So finden sich in jeder der Segmente Tour, Freetouring, Freeride und Allmountain auchSki, die das eine oder andere typische Merkmal anderer Kategorien aufweisen. Der Stöckli «Stormrider 95» aus dem Segment Freetouring bringt durchaus auch Qualitäten mit, mit denen er als Allmountain-Ski auf der Piste und als Freeride-Ski gut abschneidet. Es lohnt sich also durchaus, auf der Suche nach dem passenden Ski, auch mal über den Tellerrand hinaus zu schauen und sich die Kandidaten anderer Parteien – äh, Kategorien – anzusehen.

Die grössten Unterschiede in der Auslegung der Fahreigenschaften finden sich im Bereich Allmountain. «Hier gibt es enorme Interpretationsspielräume zwischen den einzelnen Herstellern und teils auch innerhalb der Skilinien einer Marke», beobachtet Eliane Volken. «Vom breiten Riesenslalom-Ski bis zu spielerischen Piste-and-Powder-Geräten ist alles drin.» Umso genauer sollte man sich Allmountain-Modelle vor dem Kauf ansehen, um im Schnee nicht eine ungewollte Überraschung zu erleben. Beim Gros, aber nicht bei allen Allmountain-Modellen liegt der Schwerpunkt im Einsatz auf der Piste. «Viele Leute wollen einen Ski mit guten Pisteneigenschaften, der aber gleichzeitig eine Top-Performance im Tiefschnee bietet, falls es die Bedingungen zulassen», erläutert Product Manager Florian Friessnegg von Kästle. «Auf extreme Längen, Breiten und Steifigkeit muss man zugunsten der Vielseitigkeit allerdings verzichten.»

«Durch innovative Bauweisen lässt sich der für Freeride-Ski wichtige Auftrieb im Tiefschnee auch mit moderaten Skibreiten erzielen»

Alternativen zu etablierten Marken

Den Ausgang von Wahlen vorherzusagen wird immer schwieriger. Auch Überraschungskandidaten von kleinen Firmen haben durchaus das Zeug, vorne mitzumischen und den Wahlausgang zu beeinflussen. Auch wenn sie nicht zu den Big Playern zählen, setzen Black Crows und Kästle mit sportlich hochwertigen Modellen Akzente und können vor allem bei sehr ambitionierten Fahrern punkten. Mancher Hersteller, der die letzten Jahren wenig frische Impulse im Freeride- und Tourenbereich zeigte, trumpft plötzlich mit einem Spitzenkandidat auf, der die Herzen und Fantasien beflügelt. So katapultiert sich Head dank innovativer Hightech-Materialien und neuer Shapes mit der Kore-Linie in der Freeride-Kategorie wieder weit nach vorne.

 

Steif oder weich – Einsatzbereich und Fahrstil entscheiden

Letztendlich kommt es eben doch auch auf die Inhalte an: Ob die Details harmonieren – und nicht nur, ob grob die Masse stimmen. Ski mit sehr ähnlichen Massen können im Fahreindruck durchaus sehr verschieden sein. Das hängt entscheidend vom Aufbau, von der Zusammensetzung und den Materialien ab. Deshalb haben wir zur Bewertung im Outdoor Guide Skitest erstmals auch die im Labor ermittelten Flex-Werte (Biegesteifigkeit) hinzugezogen. Die Daten stammen von den Kollegen des norwegischen Magazins Fri Flyt, mit denen wir kooperieren.

«Die Flex-Härte ist ein sehr wesentliches Thema bei der Skikonstruktion», erklärt Product Managerin Jessica Wiederhold von Fischer. «Am besten zeigt dies ein Vergleich zwischen einem High-Performance-Pistenski und einem Freeride- oder Freetouring-Ski. Ein Pistenski benötigt einen wesentlich härteren Flex, da die eingesetzte Kraft des Skifahrers auf die gesamte Kontaktlänge des Skis wirken soll. Bei Freeride-Ski hingegen sollte der Flex wesentlich geringer sein, da speziell im Powder die Schaufel ansonsten zu stark abtauchen und ein zu steifes Skiende den Schwungaufbau massiv erschweren würde.»

Genauso wichtig ist die laterale Verwindungssteifigkeit (Torsionssteifigkeit). «Mit der Torsionssteifigkeit verhält es sich ähnlich wie mit der Flex-Härte», präzisiert Wiederhold. «Es gibt keinen Wert, der für alle Zielgruppen angewendet werden kann. Grundsätzlich aber gilt: Je geringer die Torsionssteifigkeit des Skis, desto grösser der Kraftverlust von der Skimitte zum Skiende beziehungsweise zur Skispitze.» Umgekehrt kann aber eine zu hohe Torsionssteifigkeit auch Nachteile bringen. «Im Pulverschnee fahren sich solche Ski weniger geschmeidig», weiss Yves Isler von Head. Flex und Torsionssteifigkeit im Ski-Shop zu erspüren, ist schwierig. «Man kann einen Ski im Regal drücken. Nur fühlt man in den Händen und Armen nicht dasselbe, wie auf der Piste in den Beinen und Füssen», ergänzt Isler. Vor allem lässt sich der Übergang der unterschiedlich harten Flex-Zonen innerhalb eines Skis höchstens mit sehr, sehr viel Erfahrung erspüren.

Deshalb macht es durchaus Sinn – wenn möglich –, die heissesten Kandidaten bei einem Test-Event selbst anzuschnallen. Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass selbst eine persönliche Testfahrt womöglich nicht zu 100 Prozent objektiv sein wird. Wissenschaftler der Hochschule St. Gallen haben herausgefunden: Emotionen sind bei Kaufentscheidungen weitaus wichtiger als Preis und Qualität. Artikel bekannter Marken sind im Gegensatz zu Produkten, deren Namen und Image dem Käufer weniger vertraut sind, emotional im Gehirn deutlich stärker verankert. Sie aktivieren das Belohnungszentrum und sorgen für positive Gefühle. Jene Gehirnregionen, die zuständig sind, Fehler bei der Kaufentscheidung zu vermeiden, sind dagegen deutlich weniger aktiv. Sich dessen bewusst zu sein, ist sicher ein weiterer Schritt, um sich im Zweifelsfalle bei der persönlichen Stichwahl zwischen dem einen oder anderen Testkandidaten für den richtigen zu entscheiden.

Auch wenn wir nicht vorhersagen können, wie deine persönliche Wahlentscheidung ausfällt und wie zufrieden du am Ende sein wirst – eines ist nach dem Outdoor Guide Test sicher: Es gibt genügend Kandidaten, die dich nicht enttäuschen werden. Um die passenden Modelle zu finden, solltest du dich vorher kritisch mit den eigenen Vorstellungen und Zielen auseinandersetzen, deine eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten realistisch analysieren und dich intensiv über die Kandidaten informieren. Dazu haben wir auf den folgenden Seiten eine detaillierte Charakteranalyse aller Testkandidaten erstellt. Triff die richtige Entscheidung. Vor allem aber: Hab’ viel Spass im Schnee!

«Durch das eingesparte Gewicht kann noch mehr Technologie zur Verbesserung der Abfahrtsperformance verbaut werden», erklärt Nicolas Egger. Das gelte auch für Freeride-Ski genauso wie für Allmountain-Ski. Bei Letzteren ist geringes Gewicht in erster Linie ein Komfort-Aspekt. Systemski mit integrierter Bindung waren in der Vergangenheit sehr schwergewichtig, bis zu 10 Kilo pro Paar. Dieser Wert konnte durch Leichtbau deutlich gestutzt werden. «Bis zu 40 Prozent Gewichtsreduktion sind hier zu realisieren», fasst Tobias Heil zusammen und ergänzt: «Fazit: längere Skitage ohne vorzeitige Muskelermüdung.» Durch ein Carbon-Mesh-Gewebe und einige weitere konstruktive Kniffe wie materialsparende Abschrägungen an den Seitenwangen hat zum Beispiel Atomic das Gewicht seines neuen Allmountain-Flaggschiffs Vantage X gegenüber dem Vorgängermodell Nomad um 20 Prozent reduziert.

So hat der Outdoor Guide getestet

Der Skitest des Outdoor Guide erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Outdoor Content Hub (OCH), einer innovativen Projektinitiative für Produkttests auf höchstmöglichem Niveau. Alle Ski wurden in den jeweiligen Skikategorien entsprechendem Gelände im Skigebiet Lech Zürs getestet. Die Bewertungen zu jedem Ski stellen wir in einer übersichtlichen Grafik dar. Berücksichtigt wurden die Eignung der Ski für unterschiedliche Schneeverhältnisse (unverspurter Pulver, weicher Schnee, harter Schnee) und unterschiedliches Fahrkönnen, die Fahreigenschaften (Wendigkeit, Schwungeinleitung, Laufruhe, Kantengriff und Auftrieb) sowie das Gewicht und die Flex-Werte (Biegesteifigkeit). Wir haben in vier Kategorien getestet:

1. Allmountain (pistentaugliche Allrounder für Piste und Off-Piste, Skimitte 84 bis 95 mm).

2. Tour (Skimitte 84 bis 96 mm).

3. Freetouring (tourentaugliche Freerider) (Skimitte 95 bis 108 mm).

4. Freeride (Skimitte 105 bis 116 mm). Alle Tourenski waren mit einer Pin-Bindung bestückt, die tourentauglichen Freeride-Ski mit Pin-Bindungen oder Touren-Rahmenbindung, die Freeride- und Allmountain-Ski weitgehend mit Alpinbindungen.

Ziel des Tests war es in erster Linie, den individuellen Charakter jedes getesteten Skimodells möglichst gut beschreiben und die Bandbreite an Fahreigenschaften innerhalb einer Kategorie darstellen zu können.

Testbasis Silvretta Lech Zürs am Arlberg

Neuschnee und zumindest zeitweise Traumwetter – beim Outdoor Guide Skitest wurde der Arlberg seinem Ruf als Freeride-Mekka trotz der milden Temperaturen in der letzten Märzdekade voll und ganz gerecht. Die Hänge der Skiregion Lech Zürs zwischen Muggengrat, Madloch, Kriegerhorn und Trittkopf boten beste Bedingungen. Am ersten Testtag gab es in höheren Lagen rund 30 Zentimeter feuchten Neuschnee bei Schneeregen. Die beiden nächsten Testtage waren von mildem Frühlingswetter und Firnbedingungen geprägt. Am letzten Testtag wurden die Ski der Kategorie Allmountain getestet. Da es sehr neblig war, konnten diese Modelle nur sehr eingeschränkt abseits der Pisten (Bruchharsch) gefahren werden. Die Pisten waren griffig präpariert und eher weich. Die Ski der Kategorien Tour, Freetouring und Allmountain wurden schwerpunktmässig abseits der Pisten getestet und zudem in geringerem Umfang auch auf der Piste. Entsprechend der Tageszeit und Exposition änderten sich die Schneeverhältnisse leicht. Als komfortables Basislager diente dem achtköpfigen Testteam das Hotel «Arlberghaus» in Zürs mit direktem Anschluss an die Pisten und Skilifte.

www.lech-zuers.at
www.arlberghaus.com

In Zusammenarbeit mit dem
Outdoor Content Hub

Alle Infos auf einen Blick

Fahreigenschaften, Gewicht, Eignung für unterschiedliche Schneeverhältnisse und unterschiedliches Fahrkönnen – das sagen die Testgrafiken aus.

Die Bewertungen erfolgen in allen Kategorien in Bezug auf das jeweilige Skisegment. Ein Ski der Kategorie «Tour» mit hohem Kantengriff (9 Punkte) kann also tatsächlich einen geringeren Kantengriff aufweisen als ein Ski mit hohem Kantengriff (9 Punkte) in der Kategorie «Freeride». Ein Ski der Kategorie «Tour» mit 10 Punkten in der Kategorie «Auftrieb» besitzt nicht die gleichen Auftriebsqualitäten wie ein Ski der Kategorie «Freeride» mit 10 Punkten in der Kategorie «Auftrieb».

Schnee

Powder (unverspurt):Die Idealform des Schnees abseits der Pisten: unberührter, lockerer Pulverschnee.
Weicher Schnee:weicher Schnee auf der Piste; Off-Piste: Sulz, Firn, nasser Neuschnee, verspurter Schnee.
Harter Schnee:harte Piste; Harsch; eisige Verhältnisse; harter Altschnee, windgepresster Schnee

10 Punkte: perfekt geeignet

0 Punkte: nicht geeignet

Ski

Gewicht:
Bewertet wird das Gewicht in Relation zum Einsatzbereich. Die Kategorien sind nicht direkt miteinander vergleichbar. Ein leichter Ski der Kategorie «Freeride» wird in der Regel immer noch deutlich schwerer sein, als ein leichter Ski der Kategorie «Tour».

10 Punkte: geringes Gewicht, auch für Aufstiege sehr gut geeignet

1 Punkt: hohes Gewicht, für Aufstiege kaum geeignet

Ski

Flex
Die Flex-Werte sind über die Skilänge verteilt unterschiedlich. Eine weiche Schaufel bietet mehr Auftrieb bei Neuschnee. Auch lässt sich der Ski so leichter in die Kurve steuern. Eine harte Schaufel bietet hohe Spurstabilität und eine sehr direkte Reaktion bei Richtungsänderungen, ist aber nicht fehlerverzeihend. Auch ein härteres Skiende verbessert die Stabilität. Härtere Ski sind tendenziell für schwerere Fahrer konzipiert und verlangen mehr Kraft vom Fahrer, der Ski wird aggressiver. Weichere Ski sind tendenziell die bessere Wahl für leichtere Fahrer. Ski, die auch auf der Piste und auf hartem Untergrund gefahren werden, benötigen mehr Steifigkeit als Touren- und Freeride-Ski, die vorrangig für den Einsatz bei Neuschnee und bei weicheren Schneebedingungen ausgelegt sind. Die Flex-Werte wurden im Labortest des norwegischen Ski-Magazins Fri Flyt ermittelt.

FAHREIGENSCHAFTEN

Wendigkeit:
Lässt sich der Ski einfach drehen oder muss der Ski sehr aktiv und mit Kraftaufwand gedreht werden? Lassen sich auch kleine Schwungradien problemlos fahren? Wie reagiert der Ski beim Wechsel von langen zu kurzen Radien? Reagiert der Ski dynamisch oder fährt er eher statisch einen Radius?

10 Punkte: sehr wendig, dynamisch, variabel in den Schwungradien
1 Punkt: sehr geringe Wendigkeit, fast nur grosse Schwungradien, wenig Dynamik

Laufruhe:
Je höher das gefahrene Tempo, desto wichtiger ist die Laufruhe. Dabei ist Laufruhe nicht mit mangelnder Wendigkeit zu verwechseln. Hohe Laufruhe bedeutet, dass der Ski auch bei hohem Tempo ruhig liegt, die Schaufel nicht schlägt oder «flattert», dass er ein sicheres Fahrgefühl vermittelt. Auch ein sehr laufruhiger Ski kann wendig sein.

10 Punkte: sehr hohe Laufruhe, sicheres Fahrgefühl auch bei hohem Tempo
1 Punkt: sehr geringe Laufruhe, unsicheres Fahrgefühl bei hohem Tempo

Kantengriff:
Gerade bei harten Verhältnissen ist der Kantengriff wichtig. Zum einen erleichtert er die Kontrolle und geschnittene Schwünge. Zum anderen ist guter Kantengriff auch ein Sicherheitsaspekt. Zu aggressiver Kantengriff kann im Tiefschnee aber auch nachteilig sein.

10 Punkte: sehr hoher Kantengriff auch bei harten oder eisigen Bedingungen
1 Punkt: sehr schwacher Kantengriff, geringer Halt bei harten Verhältnissen

Auftrieb:
Guter Auftrieb erleichtert das Schwingen in unverspurtem wie in verspurtem Tiefschnee. Ist der Auftrieb gleichmässig über den Ski verteilt? Oder bietet der Ski in erster Linie nur im Schaufelbereich Auftrieb? Unterstützt das Auftriebsverhalten des Skis eine neutrale Fahrposition?

10 Punkte: sehr starker, gleichmässiger Auftrieb, neutrale Fahrposition
1 Punkt: wenig Auftrieb, Gefahr des Verschneidens im Tiefschnee oder des Abtauchens der Schaufel

Testkategorien

Allmountain

Allrounder für Piste und Off-Piste. Skimitte 83 bis 91 mm

Piste und Powder – oder doch: Piste oder Powder? Keine Skikategorie bietet eine grössere Bandbreite als die «Allmountain»- Klasse. Keineswegs alle Modelle sind gleichermassen gut für Pisten- und Off-Piste-Einsätze geeignet. Von Hersteller zu Hersteller, von Modell zu Modell gibt es grosse Unterschiede in Philosophie und Einsatzbereich.

Tour

«Klassische» Tourenski. Skimitte 80 bis 91 mm

Auch die Bandbreite im Einsatzbereich herkömmlicher Tourenski wird immer grösser. Wir stellen in der Kategorie «Tour» Modelle mit Mittelbreiten zwischen 80 und 91 mm vor – mit einem guten Kompromiss aus geringem Gewicht für lange Aufstiege und ausreichend Auftrieb für Pulverabfahrten.

Freetouring

Tourentaugliche Freerider. Skimitte 95 bis 105 mm

Breit, abfahrtsorientiert und trotzdem leicht. Freetouring-Ski werden immer beliebter. Sie sind leicht genug für Aufstiege ohne schwere Beine und machen viel Spass auf Abfahrten im Tiefschnee. Der Übergang zu den ebenfalls immer leichter werdenden Ski der Kategorie Freeride ist mittlerweile fliessend.

Freeride

Abfahrtsbretter für Off-Piste. Skimitte 106 bis 117 mm

Wenn es ums grosse Surf-Erlebnis im Tiefschnee und ultimative Abfahrtsqualitäten in anspruchsvollem Off-Piste-Gelände geht, führt an alpinen Freeride-Ski nach wie vor kein Weg vorbei. Auch die Modelle dieser Skikategorie werden im Schnitt immer leichter und vielseitiger.

Das könnte Sie interessieren

Kommentar hinterlassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Outdoor Guide

Outdoor Guide GmbH
Eichbergerstrasse 60
CH-9452 Hinterforst

Email: info@outdoor-guide.ch
Phone: +41 71 755 66 55


Folgen Sie uns auf:

Enter-Taste drücken

hardshell coverGASTRO TO GO