Massschuh-Anfertigung bei Hanwag

 In Test

Sitzt, passt, wackelt nicht und hat Luft

Gutsitzendes Schuhwerk ist auf Tour unschätzbar viel wert. Doch jeder menschliche Fuss ist anders gebaut. Wohl denen, die problemlos Serienschuhe von der Stange kaufen können. Und die anderen haben Pech gehabt? Hanwag bietet in Kooperation mit Transa seit wenigen Monaten einen neuen Service an: «Real Custom Made» – massgeschneiderte Schuhe.

Text: Moritz Becher, Fotos: Moritz Becher & Niki Huwyler, Videos: Mirjam Milad & Niki Huwyler

Die Frage nach dem Preis eines Trekking-Schuhs erübrigt sich, wenn jemand leidenschaftlich gerne auf Tour ist – und genau das seit Jahren wegen Problemfüssen nicht oder nur unter grossen Schmerzen machen kann. Die meisten Menschen werden mit einem Schuh von der «Stange» glücklich. Doch wer regelmässig leidet und seit Jahren trotz zahlreicher Anpassungsversuche keinen Schuh findet, sollte sich überlegen, ob ein Massschuh dafür eine Lösung sein könnte.

Der oberbayerische Traditionsschuster Hanwag bietet seit knapp einem Jahr in Kooperation mit den Fachhändlern Transa in Zürich und Bayard in Zermatt massgeschneiderte Trekkingschuhe unter dem Namen «Real Custom Made» an. Ein aufwendiger Prozess, der sich aber für die leidgeplagte Zielgruppe lohnen könnte. Wir haben uns mit Alex Gamper, dem Geschäftsführer von Hanwag Schweiz in der Transa-Filiale in Zürich verabredet, um mitzuerleben, wie genau eine Massschuhanfertigung verläuft.

Genau Mass nehmen

Kein Fuss ist wie der andere – Problemfüsse schon gar nicht. Deshalb steht zu allererst die millimetergenaue Erfassung der Füsse an. Zwingend: Nicht einfach vorbeikommen, sondern einen Termin bei Transa oder Bayard vereinbaren. Ein bisschen Zeit sollte man dafür schon mitbringen, es ist ja schliesslich eine langfristige Anschaffung. Wir haben einen Termin mit Conner Marlow vereinbart, der Kalifornier ist Schuhfachverkäufer bei Transa und kümmert sich mit einem Kollegen um die Erfassung der Fussdaten für die Massschuhanfertigung. Zuerst steht eine Problemanalyse an, denn nicht jeder, der ein Schuhproblem hat, muss deshalb zwingend einen Massschuh für viel Geld anfertigen lassen. Deshalb hat Transa eine kleine Schuhwerkstatt, in der Conner leichte Schuhanpassungen vornehmen kann.

In der Schuhwerkstatt können leichte Anpassungen vorgenommen werden:

Für die genaue Erfassung der Füsse erstellt Conner ein 3D-Scan. Dafür müssen gerasterte Kompressionssocken angezogen werden, damit Unterschenkel und Fussform wirklich exakt erfasst werden. Zudem werden die Füsse genau abfotografiert.

Die schicken Rastersocken werden für den 3D-Scan von Unterschenkel und Fuss benötigt. Die Daten werden zusammen mit einem detaillierten Fragebogen zu Hanwag geschickt:

Das Ergebnis wird im Anschluss mit den Kunden im Detail besprochen und ein ausführlicher Fragebogen zur genauen Problemerfassung gemeinsam ausgefüllt. Die Daten wandern dann direkt zum Stammsitz von Hanwag in Vierkirchen bei München.

Vom Scan zum fertigen Massschuh

Sind die Fuss- und Personendaten bei Hanwag eingetroffen, beginnt dort die Anfertigung des individuellen Spezialleistens. Dafür werden Standardleisten in Zusammenarbeit mit einem Zulieferer so angepasst, dass sie dem Problemfuss exakt nachempfunden sind. Den Problemfuss gibt es übrigens nicht, die Gründe für Massanfertigungen sind sehr vielfältig. Ist der Leisten erstellt – das dauert ca. sechs Wochen –, wird darauf ein «normaler» Schuh in der Hanwag-Produktion in Vierkirchen gebaut.

In Vierkirchen bei München werden die Massschuhe und ein Teil der Weltproduktion von Hanwag hergestellt.

Nach ca. zehn Wochen, je nach Auftragslage, kann der Kunde seinen fertigen Massschuh in Empfang nehmen – und ist dann hoffentlich schmerzfrei auf seinen Touren. Aktuell bietet Hanwag diesen Service für die Modelle «Ancash» und «Ancash GTX» sowie «Canyon» und «Canyon GTX» an. Als «Real Custom Made»-Variante kostet der Trekking-Schuh Ancash z.B. CHF 1300.-, inklusive einer Neubesohlung und einem Pflegeset. Alex Gamper von Hanwag Schweiz relativiert den Preis: «Hanwag verdient daran keinen einzigen Franken. Der Prozess und die Fertigung sind sehr aufwendig, und wir sehen es als Dienstleistung am Kunden, der Freude an unseren Schuhen haben soll.» Ob es zukünftig noch weitere Modelle als Massschuh-Anfertigungen geben wird, steht noch nicht fest. Zuerst müsse man sehen, wie das Angebot von den Kunden angenommen wird.

Leisten bleibt beim Schuster

Der individuelle Leisten wird nach der Fertigung bei Hanwag eingelagert. Sollte nach einigen Jahren der Wunsch nach einem neuen oder zweiten Paar Massschuhe aufkommen, wird ein Wiederholungs-Scan von den Füssen gemacht und mit den alten Werten abgeglichen. Wenn sich nichts gravierend geändert hat, kann dann problemlos ein neues Paar Schuhe angefertigt werden – die dann auch ein Stück günstiger sind.

HANWAG

«Ancash GTX Real Custom Made»

2080 Gramm (Grösse EU 46)

CHF 1300.- (Real Custom Made) / CHF 340.- (Serienversion)

Die Modelle «Ancash» und «Ancash GTX» sind prädestiniert für anspruchsvolle Trekking-Touren und Bergwanderungen. Ihre Vibram-Sohle ist fest, rollt aber noch angenehm ab für lange Tagesmärsche. Hauptmaterial ist gewachstes Nubuk-Leder, wahlweise unterfüttert mit und ohne GoreTex-Membran. Ein hoher, rundumlaufender Geröllschutzrand schützt das Leder. Der Ancash wird in gezwickter Machart hergestellt, ein Wiederbesohlen ist somit problemlos möglich.

Weitere Informationen

Direktlink zum Transa Massschuhservice «Hanwag Real Custom Made»

Mehr über Hanwags «Real Custom Made»-Programm

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