Test: DREI-LAGEN-HARDSHELL-JACKEN

WASSER-STOFFE

Die «Hardshell»: Wunderwerk der Textiltechnik und Vorzeige­produkt vieler Outdoor-Marken. Wetterschutzjacken sollen Eigenschaften unter einen Hut bringen, die sich eigentlich widersprechen: von aussen wasser- und winddicht, von innen wasserdampfdurchlässig. Wir haben bei zehn Drei-Lagen-­Modellen getestet, wie gut sie diesen Spagat meistern. 

Text & Fotos: Alexandra Schweikart. Text: Moritz Becher

Regenjacken sind so etwas wie Fluch und Segen zugleich. Eigentlich sind wir heil­froh, wenn sie im Rucksack bleiben können, andererseits sind wir mindestens ebenso froh, wenn sie uns schützen, sobald es draussen ungemütlich wird. Für die meisten Menschen müssen Regenjacken – neudeutsch: «Hardshells» – primär wasserdicht sein. Stimmt, durchdringende Nässe ist nicht nur unangenehm, sondern kann schlimmstenfalls zu schwerer Unterkühlung führen. Damit wir aber nicht nur von aussen, sondern auch von innen gegen unangenehme Feuchtigkeit geschützt sind, haben moderne Hardshells Membranen. Sie halten Regen, Schnee und Wind draussen, lassen unseren Schweiss aber in Form von Wasserdampfmolekülen nach aussen entweichen. Man spricht von einer ­Semipermeabilität – und genau diese ist das eigentliche Geheimnis funktionaler Regenjacken.

Semipermeable Herzstücke: die Membranen
Auch wenn Gore-Tex heute den Markt der wasserdichten Funktionsstoffe beherrscht, die Vielfalt an Membranen ist enorm. Aufbau und Materialien unterscheiden sich, die Basisfunktion – wasserdicht und dampfdurchlässig – ist dieselbe. Unterschieden wird primär zwischen mikroporösen und porenlosen Membranen:

1. Mikroporös: Durch feinste Poren (1,4 Milliarden/cm2) können Wasserdampfmoleküle nach aussen diffundieren (Poren-ø: 700 Mal grösser als ein Wasserdampfmolekül); für Wassertropfen sind die Poren aber zu klein (20.000 Mal kleiner als ein Wassertropfen). Bekanntester Vertreter: die Gore-Tex-Membran aus Polytetrafluorethylen (PTFE). Es gibt auch Membranen aus Polyurethan (PU) mit Mikroporen, wie z. B. die von Jack Wolf­skin eingesetzte Texapore Air Membran.

2. Porenlos: Sie basieren auf einem Transportmechanismus der Wasserdampfmoleküle, der von der Wasserdampfkonzentration in der Membran abhängig ist. Hydrophile – also wasserliebende – Bestandteile binden die Wassermoleküle und leiten sie durch intermolekulare Zwischenräume zwischen hydrophoben – wasserabweisenden – Strukturen nach aussen. Es gibt porenlose Membranen aus Polyurethan (wie z. B. Dermizax vom Hersteller Toray) oder Polyester (z.B. Sympatex).

Ein optimal funktionierender Baselayer schützt vor Wind und Kälte und kühlt bei Hitze. Schweiss leitet er zügig vom Körper weg, und die Haut fühlt sich trocken an. Federleicht ist solch ein Shirt, weich und abriebfest. Es muss kaum gewaschen werden und wird aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Recyclebar ist es selbstverständlich auch noch. Soweit der Traum vom Ideal. In der Praxis sind die Funktionshemdchen meist auf ein oder zwei dieser Eigenschaften spezialisiert − was schon eine technische Meisterleistung ist, verglichen mit der rauen Strickwäsche oder dem Baumwoll-Feinripp-Hemd aus Omas Zeiten.

Sandwich-Menü: Dreilagige Konstruktionen
Die Membranen sind hauchdünn (wenige Mikro­meter) und nicht wirklich robust. Deshalb werden sie mit einem widerstandsfähigen Oberstoff aus Polyamid (Nylon) oder Polyester verklebt beziehungsweise «laminiert», um nach aussen vor mechanischem Abrieb und Defekten geschützt zu sein. Auf der Innenseite ist entweder ein fest aufgeklebter Futterstoff aus Polyamid oder Polyester (3-Lagen) angebracht.

Ein bisschen wasserdicht?
Um die Wasserdichtigkeit von Outdoor-Textilien zu beschreiben, wird gerne die Wassersäule bemüht. Um diese im Labor zu testen, wird auf der Aussenseite des Stoffes ein stetig steigender Wasserdruck aufgebaut, bis an drei Stellen Tropfen durchdrücken (sog. «Suter-Test»). Je höher die gemessene Wassersäule, umso besser – laut Hersteller-Marketing. Allerdings verhält es sich mit der Wasserdichtigkeit in der Realität wie mit der Schwangerschaft: so wenig wie es «ein bisschen schwanger» gibt, gibt es auch «ein bisschen wasserdicht» nicht. Entweder ist ein Material wasserdicht, dann kommt kein Wasser hindurch, oder eben nicht. Auch wird nur an den Stellen gemessen, an denen die Jacke keine Nähte oder Reissverschlüsse besitzt (notorische Schwach­stellen). Einige Beispiele: ein kleines Loch von etwa 10 Mikrometern führt zu einem Leck; eine Naht an der Jacke ist von innen nicht mit Tape ver­sie­gelt: die Jacke ist undicht. Eine Jacke mit einem hohen Testwert von über 20’000 Millimetern Wassersäule kann nach kurzer Zeit durch intensive Nutzung, Waschen oder Delaminierung undicht werden.

Aktive Atmung?
Teil zwei des Hardshell-Deals ist der Wasserdampfdurchlass. Allgemein wird dafür gerne der Begriff «Atmungsaktivität» verwendet, was irreführend ist. Denn eine Jacke ist ein lebloses Stück Textil, das Atmen bleibt uns Outdoor-Sportlern vorbehalten. Gemeint ist das Durchlassen von Schwitzfeuchtigkeit durch den Jackenstoff nach aussen. Problematisch wird es, wenn der Abtrans­port mit der Schweissproduktion nicht mehr mithalten kann. Dann staut sich die Feuchtigkeit in den Bekleidungsschichten zurück und schlimmstenfalls lagert sich unser Saft in Form von Kondenswasser auf der Jackeninnenseite ab, was den Prozess zusätzlich massiv verzögert.

DWR – essenziell für volle Funktion
Ohne eine wasserabweisende Imprägnierung des Aussenstoffs – die sogenannte DWR-Ausrüstung («durable water repellent») – würden die Laminate nicht wie gewünscht funktionieren. Denn saugt sich die oberste Stoffschicht mit Wasser voll – ­Experten sprechen von einem «Wetting-out-­Effekt» –, wird der Wasserdampfdurchlass massiv beeinträchtigt, gemäss Forschungen der EMPA sogar um bis zu 80 Prozent. Der Eindruck, die Jacke sei nicht mehr dicht, wird enorm verstärkt, weil sich vermehrt kondensierte Schwitzfeuchtigkeit auf der Innenseite ablagert.

So viel zur Hardshell-Theorie. In unserem Labor- und Praxistest haben wir die Proben auf zehn Exempel gemacht.

Folgende Praxistests wurden durchgeführt:
Der Outdoor Content Hub hat ein Pilotprojekt mit menschlicher Einschätzung und Feuchtigkeitssensoren gestartet, um herauszufinden, wie gut die Testjacken bei Aktivität den Schwitzwasserdampf nach aussen passieren lassen. Dafür wurde eine Strecke ausgearbeitet, die zwei Tester (ein Mann, eine Frau) mit nahezu exakt wiederholbarer Gehzeit laufen konnten (+/- 1 Minute) und die ausreichend steil für den Schweissfluss war. Zusätzlich wurden eine Umziehmöglichkeit und eine Waage für Jacken und Baselayer eingerichtet. Die Länge der Teststrecke belief sich auf 1,4 Kilometer, dabei waren 120 Höhenmeter zu bewältigen. Die Zeitvorgabe pro Testrunde lag bei exakt 18 Minuten. Nach jeder Runde wurden die Jacken gewogen und gewechselt, dazu ein Glas Wasser getrunken. Vor und nach jeder der zehn Testrunden hielten die Probanden jeweils fünf Minuten inne, um Körper, Jacke und Sensoren zu akklimatisieren. Die Reihenfolge, in der die Jacken von den Testern subjektiv bewertet wurden, war nahezu identisch.

Testläufe Teil 1: Befragung Probanden
An mehreren festgelegten Wegpunkten mussten die Probanden ihr subjektives Schwitzgefühl zu Protokoll geben, unterteilt in eine Skala, die von «sehr angenehm» bis «sehr unangenehm» reichte.

Auch der Trage- und Bedienkomfort wurde bewertet: Wie gut lässt sich die Jacke an- und ausziehen und verstellen? Wie laufen die Reissverschlüsse? Erreicht man alle Taschen? Jede Jacke bekam zu Beginn die maximal möglichen 10 Punkte, jede negative Auffälligkeit ergab einen Punkt Abzug in der Wertung.

Testläufe Teil 2: Sensormessungen
Für detaillierte, objektive Messergebnisse aus der Praxis wurden Feuchtigkeits- und Temperatursensoren eingesetzt. Angebracht wurden sie an jeweils drei festgelegten Platzierungen: direkt auf der Haut (Sensor I), auf dem Funktionsshirt (Sensor II) und an der Jackenaussenseite (Sensor III). Und siehe da: Die Jacken verhielten sich trotz gleicher Strecke sehr unterschiedlich. Je mehr Feuchtigkeit an den Sensoren I und II gemessen wurde, desto unangenehmer wurde das Klima unter der Jacke bewertet. Als Mass für den Wasserdampfdurchgang gilt der Unterschied zwischen den Sensoren II und III. Je stärker dort das Gefälle ausfiel, umso grösser der Widerstand der Jacke und umso weniger Dampf liess sie entweichen. Um die Jacken vergleichbar zu machen, haben wir die Jacken am Bund zugezogen, die Kapuzen aufgesetzt und die Unterarmbelüftungen geschlossen gehalten (­Ergebnisse siehe Abbildungen).

Ausstattung
Der Umfang von Ausstattung und Verstellmöglichkeiten wurde ebenfalls bewertet. Klettverschlüsse, Kordelzüge, Taschen und Unterarmbelüftung: je ein Plus pro Tasche oder Verstellmöglichkeit. Die Umfänge reichten bei den Testjacken von 4 Ausstattungsvariablen (1 Bewertungspunkt) bis zu 15 Ausstattungsvariablen (10 Bewertungspunkte). Alle Jacken im Test haben eine helmtaugliche Kapuze.

GUT ZU WISSEN...

VOLLGESCHWITZT UND DURCHGEREGNET: UNSER LABOR- UND PRAXISTEST

In Zusammenarbeit mit den Experten des Outdoor Content Hub Testteams haben wir zehn Drei-Lagen-­Modelle unterschiedlicher Hersteller über einen mehrwöchigen Zeitraum durch Labor- und Praxiseinheiten bearbeitet. Die Labortests wurden in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut für Textilchemie und Textil­physik der Uni Innsbruck durchgeführt. Folgende Labortests wurden durchgeführt:

WASSER- UND WINDDICHTIGKEIT
Die Wasserdichtigkeit wurde per Suter-Test nach ISO 811:1981 gemessen, die Luftdurchlässigkeit nach EN-ISO 9237:1995. Übergreifendes Ergebnis: Unsere Testjacken hielten im Labor einer Wassersäule von 10‘000 mm stand und hatten eine Luftdurchlässigkeit von weniger als 1,6 L/dm2/min. Werte, die für den Outdoor-Alltag absolut ausreichend sind. Das heisst, alle Jacken gelten nach diesen Tests − jeweils an der Rückenpartie durchgeführt − als wasser- und winddicht. In der dreiminütigen künstlichen Beregnung allerdings zeigten sich Schwächen bei der Bergans Eidfjord Jacket (undichter Reissverschluss), in den anderen Jacken blieben die Tester trocken.

WASSERDAMPFDURCHLASS
Wir haben uns für die Messung des Wasserdampfdurchlasses für den MVTR-Test nach der Upright-Cup-Methode (ASTM E96(B)) entschieden. Der Test wurde bei 20 °C und 65 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit durchgeführt, am Messplatz hatten wir einen Luftzug von 0,2 m/s. Dabei wurden die Jacken über mit Wasser befüllte Becher gespannt und fixiert. Der Wasserdampfdurchlass ergibt sich aus dem Gewicht des befüllten Bechers vor und nach der Messung. Übergreifendes Ergebnis: Werte zwischen 317 und 680 g/m2/24 h konnten wir für unsere Jacken messen.

HALTBARKEIT DER IMPRÄGNIERUNG
Bei einem sogenannten Spray-Test nach EN ISO 4929:2012 wurden die wasserabweisenden Eigenschaften der Jackenoberfläche bestimmt. 250 ml Wasser wurden auf die Jacken, die auf einem Spannring befestigt und in einem Winkel von 45 Grad aufgestellt waren, gesprüht. Die Bewertung erfolgte durch den Vergleich des Aussehens der Messprobe mit beschriebenen Beurteilungen und Fotografien. Die Bewertung lag hier zwischen Iso 1 (Fläche komplett mit Wasser benetzt) und Iso 5 (keine Benetzung der Oberfläche mit Wasser). Diese Messung wurde an den nagelneuen Jacken durchgeführt, sowie nach intensivem Praxiseinsatz und mehreren Wasch- und Schleudergängen wiederholt.

PACKMASS UND GEWICHT
Alle Testjacken wurden in einem Messbecher komprimiert und mit vier Kilogramm Gewicht beschwert, um Kompression, wie z. B. im Rucksack, zu simulieren. Der Volumen-Wert wurde in Liter an der Messbecherskala abgelesen. Das Gewicht wurde mit einer Präzisionswaage bestimmt.

«Nur unter der Lupe werden die unterschiedliche Fertigungsarten der Hardshell sichtbar» – Alexandra Schweikart

ABSOLUTE FEUCHTIGKEIT
in g  / cm3, gemessen auf der Haut (I), zwischen Base­layer und Jacke (II), und aussen an der Hard­shell (III). Die Jacken von The North Face und Arc’teryx zeigen ein geringes Gefälle zwischen II und III. Diese Modelle wurden als «eher angenehm» im Test bewertet. Bei der Vaude sieht man einen starken Anstieg der Feuchtigkeit am Sensor I, was als «eher unangenehm» empfunden wurde. Die Columbia Jacke ist ein Sonderfall: Hier staut sich die Feuchtigkeit stark zurück, der Wasserdampf kondensiert an der Innenseite der Jacke.

 

VERGLEICH
der MVTR-Ergebnisse im Labor- und im Praxistest. Die Werte weichen oft deutlich voneinander ab. Im Labor wird nur am reinen Stoff unter standardisierten Bedingungen ­gemessen, ohne Taschen, Reissverschlüsse etc. Das erlaubt zwar eine objektive Vergleichbarkeit, geht aber offensichtlich an einer Beurteilung unter Praxisbedingungen vorbei.

Fazit

Auch wenn wir sie wetterbedingt lieber im Rucksack haben, sind Hardshell-Jacken eines der essenziell wichtigen Ausrüstungsteile für Outdoor- und Bergsportler. Bei unseren Tests fiel vor allem auf, dass sich die Ergebnisse in den Bereichen Gewicht und Wasserdampfdurchlass enorm unterscheiden. Generell haben hier die Jacken mit mikroporösen Membranen wie Gore-Tex in unserem Labor- wie auch Praxistest die Nase vorn. Wer einen maximalen Wasserdampfdurchlass möchte, sollte zu einem spartanischen Jackenmodell mit wenig Taschen (am besten Netztaschen), Reissverschlüssen und Nähten greifen, da diese Doppellagen verursachen. Wer eine vollausgestattete Hardshell-Jacke sucht, sollte ein Modell mit Unterarmbelüftungen wählen, die beim starken Schwitzen den Tragekomfort deutlich erhöht. Die grosse Herausforderung der Hersteller besteht darin, den Wasserdampfdurchlass für die Praxis und nicht «für das Labor» zu optimieren. Interessant wird sein, wie sich Hardshell-Jacken hinsichtlich ihrer Umweltverträglichkeit entwickeln werden (siehe auch Infokasten «Chemische Keule»). Klar ist: Schutz von Nutzer und Schutz von Umwelt sollten eigentlich im Einklang sein. Eine möglichst lange Tragedauer ist sicherlich der erste, richtige Schritt in Richtung Nachhaltigkeit.

Text & Fotos: Alexandra Schweikart
Die promovierte Chemikerin und begeisterte Bergsportlerin weiss, worauf es bei Textilien im Outdoor-Einsatz ankommt. Für den Outdoor Guide testet sie im Labor und am Berg die Stärken und Schwächen von Funktionsausrüstung.

Text: Moritz Becher
Der Journalist und bekennende Ausrüstungs-­Junkie geht den Dingen gerne auf den Grund bzw. auf die Naht. Neben der reinen Funktionalität zählt die Umweltbilanz von Outdoor-­Produkten zu seinen favorisierten Themen.

10 Stirnlampen im Outdoor-Test

CHEMISCHE KEULE

Nachhaltigkeit ist ein vielbemühtes Wort – mittlerweile. Vor allem Outdoor-Hersteller wollen und müssen sich so umweltschonend wie möglich positionieren. Bezogen auf Wetterschutzjacken gibt es allerdings mehrere Baustellen, auf denen gerade mit Hochdruck an umweltfreundlicheren Lösungen gearbeitet wird und werden muss: die Stoffe selbst und ihre Herstellung sowie die dauerhaft wasserabweisende Imprägnierung (DWR). Letztere ist unbedingt notwendig, damit die Membran funktionieren kann. Eingesetzt wurden und werden dafür langkettige Fluorkohlenstoff-Verbindungen (PFCs). 2011 belegte Greenpeace, dass selbst an den entlegensten Orten PFC-Verbindungen im Wasser und im Blut von Tieren zu finden sind.

WAS MACHT PFCS SO GEFÄHRLICH?

Zum einen seine Persistenz in der Umwelt, denn es zersetzt sich gar nicht oder nur sehr langsam in der Natur. Zum anderen kann es sich in Organismen anreichern. Das Tragen von PFC-imprägnierter Bekleidung ist nach heutigem Kenntnisstand für Menschen ungefährlich. Doch bei der Herstellung und beim Waschen gelangt es in die Umwelt. Ein europaweites C8-Verbot besteht ab 2020. Viele Outdoor-Marken haben deshalb bereits auf C6- und C4-PFCs umgestellt. Das Argument, die kurzkettigeren Varianten seien unbedenklicher, beruht allerdings auch auf mangelnder Erforschung. Denn auch sie sind persistent und verteilen sich schnell im Naturkreislauf. Das Ziel kann also nur in einer Imprägnierung ohne PFCs liegen. Darin sind sich alle einig – fast. Denn wir Verbraucher entscheiden massgeblich mit, wie schnell dieses Ziel erreicht wird. Eine wirksame Wasserabweisung umweltschonend herzustellen, ist bereits möglich, sobald aber auch die Ölabweisung als Kriterium gegeben sein muss, sind PFCs immer noch am besten geeignet. Aber brauchen wir das wirklich?

DER STATUS QUO IN DER BRANCHE

Anfang vergangenen Jahres hatte sich Marktführer Gore nach erheblichem externen Druck selbst dazu verpflichtet, bis 2023 schrittweise aus der Verwendung von «ökologisch bedenklichen PFCs» auszusteigen. Gemeinsam mit Greenpeace wurden die PFCs identifiziert, die angeblich tatsächlich umweltschädlich sind. Ab Herbst 2018 werden nun u. a. von Mammut, The North Face und Salewa die ersten Gore-Tex-Textilien auf den Markt kommen, die eine Imprägnierung ohne «PFCec», was im Gore-­Jargon für «of environmental concern» steht, aufweisen. Allerdings ausschliesslich Bekleidungsstücke für Wanderungen und Pistenskifahren, sprich nicht für ganz harte Outdoor-Einsätze. In einem zweiten Schritt sollen PFCec-Verbindungen auch aus der Produktion eliminiert werden. Andere Marken, die ohne Gore-Tex arbeiten, sind bereits weiter. In unserem Test sind laut Hersteller die Membranen wie auch die Imprägnierungen der Jacken von Columbia, Jack Wolfskin, Rotauf und Vaude bereits PFC-frei. Auch die anderen Bestandteile eines Laminats sollen umweltschonender werden. Die Schweizer Firma Rotauf verwendet alle Bestandteile seines Laminats aus Polyester, so kann es im Falle sortenrein recycelt werden. Patagonia verarbeitet in der getesteten Jacket eine Gore-Tex Pro Variante, deren Oberstoff zu 100 % aus post-industriellen Nylon-Resten besteht. Sprich: Faserreste, die bei der Produktion von Nylon entstehen und in der Regel entsorgt werden, gelangen zurück in den Produktionskreislauf. Bergans und Vaude arbeiten bei Aussenstoffen bzw. der Membran anteilig mit recycelten pflanzlichen Materialien. Wir bleiben an dem Thema dran.

SO HAT DER OUTDOOR GUIDE BEWERTET

Jede Jacke wurde anhand der Labor- und Praxistests bewertet. Die Bewertung reicht von 1 bis 10, wobei die Werte immer relativ zum kleinsten und grössten Wert des Tests sind.

AUSSTATTUNG
1 Punkt: wenig Ausstattung (kleinster Wert: 4 Extras)
10 Punkte: viel Ausstattung (grösster Wert: 15 Extras)

PACKMASS
1 Punkt: grösstes Packmass (max. 2,3 Liter)
10 Punkte: kleinstes Packmass (min. 1 Liter)

WASSERDAMPFDURCHLASS LABOR
1 Punkt: kein Durchlass (0 g/m2/24h)
10 Punkte: maximal möglicher Durchlass
(offenes Gefäss 790 g/m2/24h)

WASSERDAMPFDURCHLASS OUTDOOR
1 Punkt: wenig wasserdampfdurchlässig (d. h. grosser Unterschied Sensor II zu III und sehr unangenehmes Empfinden)
10 Punkte: stark wasserdampfdurchlässig (d. h. geringer Unterschied Sensor II zu III und sehr angenehmes Empfinden)

TRAGE- UND BEDIENKOMFORT
1 Punkt: unkomfortabel (1)
10 Punkte: sehr komfortabel (10)

HALTBARKEIT DER IMPRÄGNIERUNG
1 Punkt: nicht haltbar (Iso 5 auf Iso 1)

WIE PFLEGE ICH MEINE HARDSHELL-JACKE RICHTIG?*

PFLEGETIPPS VON GUIDO AUGUSTINIAK,
GESCHÄFTSFÜHRER FIBERTEC

Guido Augustiniak, mit welchen Mythen würden Sie gerne mal «aufräumen»?
«Ich dachte, man soll Gore-Tex-Jacken nicht waschen?» Das ist der schlimmste Mythos, den es gibt. Denn seine Hard­shell-Jacke nicht zu waschen, bedeutet den schleichenden Tod selbiger. Wenn das Laminat nicht regelmässig gereinigt und sowohl Schmutz als auch Körperfette und Salze rausgelöst werden, macht das nicht nur die Membran kaputt, sondern es führt auch zu Delaminierungen.

Wie oft sollte eine Hardshell-Jacke gewaschen und wie oft imprägniert werden?
Je nach Tragedauer und -intensität. Aber lieber regelmässig waschen als gar nicht. Nur leider leuchtet eben kein Inspektionslämpchen wie beim Auto auf, wenn es wieder mal notwendig wäre. Ein gutes Anzeichen – neben klassischem Schmutz – ist der «Kragen-Speck-Indikator». Wir kennen das alle vor allem von Oberhemden, die nach einem Tag Tragen eine leicht verfärbte, leicht glänzende Schicht am Kragen haben. Auch bei Hardshell-Jacken erkennt man nach gewisser Zeit an den Stellen, die etwas dicker sind und häufig direkten Hautkontakt haben, eine dunkel verfärbte, glänzende Schicht. Und wenn man die sieht, ist es Zeit, die Jacke mal wieder zu waschen. Bei der Imprägnierung sollte man darauf achten, ob der Stoff Regentropfen noch ganz gut abperlen lässt oder ob sich der Oberstoff wirklich flächendeckend vollsaugt.

Wie sieht das optimale Pflegeprogramm für eine Hardshell-Jacke aus?
Waschen: Man sollte Hardshells im Schonwaschgang bei maximal 40 Grad in der Maschine nur mit einem speziellen Funktionswaschmittel reinigen. Das ist wirklich kein Marketing-Gag, sondern diese Mittel sind speziell darauf ausgelegt, körpereigene Fette und Salze aus dem Laminat herauszulösen. Reissverschlüsse schliessen, Kordelzüge öffnen. Und nicht zu viele Teile auf einmal in die Trommel geben. Zum Schluss nur leicht, also mit 400 Umdrehungen, anschleudern.

Imprägnieren: Die ab Werk aufgetragene DWR-Schicht kann wieder reaktiviert werden. Dafür sollte die Jacke nach dem Waschen für 30 Minuten bei hoher Temperatur in den Wäschetrockner gegeben werden. Für diejenigen, die keinen Trockner haben, bietet sich das Bügeleisen an: auf Stufe eins für Synthetik-Bügeln einstellen, am besten ein dünnes Geschirrtuch dazwischenlagen, so geht die Hitze zwar durch, schont aber die leicht erhöhten Partien wie Reissverschluss-Garagen. Für die Kapuze empfiehlt es sich, die Jacke komplett zu schliessen und die Kopfpartie mit einem Kissen auszustopfen. So hat man ein gutes Gegengewicht beim Bügeln.

In der Regel muss man erst nach drei bis vier Wäschen nachimprägnieren. Dafür sollte man die noch leicht feuchte oder trockene Jacke auf den Boden legen, damit der (teure) Sprühnebel auch auf die Jacke herunterrieselt und nicht auf den Boden. Dann die Imprägnierlösung grossflächig auftragen und anschliessend mit einem weichen Schwamm ins Gewebe einreiben. Danach die Jacke entweder erst noch zum Trocknen aufhängen oder gleich in den Wäschetrockner geben. Für die Bügelvariante empfiehlt sich, die Jacke erst komplett abtrocknen zu lassen. Bitte nicht partiell nachimprägnieren, sonst besteht die Gefahr, dass es zu unschönen Verfärbungen auf dem Stoff kommt.

*Hinweis der Redaktion: Bitte bei der Pflege immer die Vorgaben des Herstellers beachten!

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