Baselayer-Test: Die entscheidende Schicht

Unterschätzte Klima-Manager

Weit mehr als ein Unterhemd – ein Baselayer ist das wohl am meisten unterschätzte Bekleidungsstück. Eigentlich sollte er Entscheidungs­-Layer heissen, denn die unterste Schicht entscheidet nicht nur über Funktion oder Versagen jeder weiteren Bekleidungsschicht sondern auch über Freude oder Frust auf Tour! Wir haben 21 Shirts im Labor untersucht und sie 3000 Stunden im Outdoor­einsatz getestet.

Text & Fotos: Alexandra Schweikart

Schnaufend stehen wir auf dem felsigen Gipfel. Die Tour war anstrengend und ein wenig heikel – eine tolle Herausforderung. Nun belohnt ein herrliches Panorama für die Mühen. Der Wind blässt. Ich schlüpfe fix in meine dünne Primaloft Jacke und schaue verzückt in alle Richtungen. Doch was präsentiert denn da mein Bergkamerad? Er steht oben ohne auf einem Felsvorsprung. In der Hand flattert sein klatschnasses Baumwoll-T-Shirt. Gleichzeitig versucht er, ein frisches aus seinem Rucksack zu angeln. Schon kullert der Apfel ins Tal, die Brotzeit-Box kann ich gerade noch aufhalten. «Wir müssen reden», sage ich, «und zwar über deine Unterwäsche»!

Längst ersetzt Bekleidung die Funktion des Felles, dessen sich der Homo sapiens vor weit mehr als zwei Millionen Jahren entledigt hat. Wie wohl wir uns fühlen, hängt nicht zuletzt auch davon ab, was wir direkt auf der Haut tragen. Wenn wir beim Sport stark frieren oder schwitzen, sinkt die Leistungsfähigkeit. Unser Körper hat eine optimale Betriebstemperatur von 37 ° C, und die versucht er unter allen Umständen beizubehalten. Aufgabe eines Baselayers ist es, ihn dabei zu unterstützen.

Wäscheträume – die perfekte unterste Schicht

Bei normaler Aktivität läuft der menschliche Körper mit etwa 100 Watt. Die dabei erzeugte Wärme wird in Form von Gas über die Schweissdrüsen abgesondert – wir spüren davon so gut wie nichts! Bei körperlicher Anstrengung jedoch produzieren wir bis zu 1000 Watt. Die Schweissdrüsen werden ordentlich aktiviert und Schweiss entsteht, um den Körper abzukühlen. Dieses Prinzip funktioniert gut bei nackter Haut oder mit sehr luftdurchlässigen Textilien. Eng anliegende Bekleidung, die das wässrige Sekret aufsaugt und von der Haut weg transportiert, stellt ebenfalls eine gute Option dar. Wenig luftdurchlässige Bekleidung dagegen behindert diesen Ausgleichsmechanismus. Wie sehr, zeigt ein kleines Experiment. Zieht man eine dichte, luftundurchlässige Plastiktüte über die Hand, entsteht rasch ein nasses Gefühl auf der Haut: Der Schweiss rinnt. Es entsteht «Hitzestress».

Ein optimal funktionierender Baselayer schützt vor Wind und Kälte und kühlt bei Hitze. Schweiss leitet er zügig vom Körper weg, und die Haut fühlt sich trocken an. Federleicht ist solch ein Shirt, weich und abriebfest. Es muss kaum gewaschen werden und wird aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Recyclebar ist es selbstverständlich auch noch. Soweit der Traum vom Ideal. In der Praxis sind die Funktionshemdchen meist auf ein oder zwei dieser Eigenschaften spezialisiert − was schon eine technische Meisterleistung ist, verglichen mit der rauen Strickwäsche oder dem Baumwoll-Feinripp-Hemd aus Omas Zeiten.

Wichtiger Job – der Feuchtigkeits-Manager

Ein Manager nimmt eine Menge Arbeit an und verteilt sie so schnell wie möglich an seine Umgebung. Genau das sollten auch gut funktionierende Sporttextilien können: den Schweiss schnell vom Körper weg befördern, im Stoff verteilen und an die Umgebung abgegeben. Wie gut das funktioniert, hängt vom Material und von der Verstrickung der einzelnen Fasern ab. Wollfasern sind durstig: sie können zwischen 20 und 35 Prozent ihres eigenen Gewichts an Wasser aufnehmen, Kunstfasern nur etwa 5 bis 15 Prozent. Deshalb fühlt sich Wolle beim Schwitzen lange trocken an. Ist die Aufnahmekapazität jedoch erreicht, fühlt sich jedes Shirt nass auf der Haut an – unabhängig von der Art des Stoffes. Kunstfasern nehmen zwar weniger Wasser auf, sie sind jedoch darauf spezialisiert, die Feuchtigkeit über ihre Oberfläche vom Körper weg zu leiten (Docht-Effekt).

Eine weitere Manager-Qualifikation besteht darin, Dinge mit der Umgebung auszutauschen. Wärme beispielsweise. Je dünner der Stoff ist, und je mehr kleinste Luftlöcher sich zwischen den Maschen befinden, desto besser lässt er den Dampf beim Schwitzen hinaus und kühlenden Wind herein. Umgekehrt kann ein Stoff gut isolieren, wenn er wenig Wind an die Haut lässt und sich die Körperwärme nahe der Haut sammeln kann.

Diese Baselayer-Management-Qualifikationen lassen sich in unterschiedlichsten Variationen und Ausprägungen miteinander kombinieren. Die «Arbeitstiere» unter den Baselayern sind sehr luftdurchlässig, nehmen wenig Wasser auf und trocknen in sehr kurzer Zeit. Ideal für schweisstreibenden Sport mit kontinuierlicher Bewegung, wenig Pause und eher kurzer, intensiver Dauer. Kletterer hingegen schätzen leichte Hemdchen, die vor Wind schützen, Schweiss aufsaugen und nicht schwer und nass werden. Bergsteiger gehen oft stundenlang bergauf und schwitzen dabei. Ein nasses Shirt kühlt den Körper dann bei der Rast am Gipfel oder auf der Hütte schnell aus. Deshalb sollte die Trocknungszeit kurz und die Wasseraufnahme nicht zu hoch sein.

Reiselustige und Trekkingbegeisterte mit wenig Platz im Gepäck möchten gerne ein und dasselbe Shirt lange und bei möglichst vielen Aktivitäten tragen. Sie brauchen von allem Etwas: ein Shirt mit mittlerer Luftdurchlässigkeit, das Wasser aufnehmen kann.

«Nur unter der Lupe werden die unterschiedliche Fertigungsarten der Baselayer sichtbar» – Alexandra Schweikart

Hightech-Stoffe – Rüstung für sportliche Ritter

Sporttextilien sollen den Körper schützen – sei es vor Schrammen, Kälte, Sonne oder vor fremden Blicken auf die nackte Haut. In den Bergen ist auch der Schutz vor der dort besonders intensiven ultravioletten Strahlung wichtig. Deshalb integrierten wir eine UV-Schutzprüfung in den Labortest (siehe Kasten «So haben wir getestet».) Dabei zeigten drei Produkte einen exzellenten Schutz von UPF 50+: das Odlo «Evolution», das Skins «DNAmics» und das X-Bionic «MKII». Nicht verwunderlich: Ausnahmslos handelt es sich dabei um Kunstfaser-Produkte mit hohem Elastananteil. Bei diesen Stoffen können die Maschen nicht stark auseinandergezogen werden. Bei den Wollprodukten zeigte das Woolpower «Lite» den höchsten UV Schutz mit UPF 45, gefolgt von Ortovox, Icebreaker und Arc’teryx mit UPF 25.

AUF EINEN BLICK:

TESTERGEBNISSE ABRIEBTEST UND TROCKNUNGSZEIT

GUT ZU WISSEN...

NACHHALTIG ANGEZOGEN?
Life-Cycle-Assesments (LCA) geben Aufschluss über den ökologischen Fussabdruck eines Produktes, meistens gemessen in der Masse CO2 pro Kilogramm Material. Jedes Detail wird in die Rechnung einbezogen: Rohstoffgewinnung, komplette Verarbeitung, Transport, Verteilung und Verkauf, Endkonsumentennutzung wie Waschen, Trocknen und schliesslich die Entsorgung. Der CO2-Fussabdruck von einem Kilogramm Textil schwankt zwischen 1 bis 18 kg CO2/ kg. Zum Vergleich: 100 km Autofahrt entsprechen etwa 10 kg CO2, ein Kilo Rindfleisch 14 bis 32 kg CO2.

Den grössten Einfluss haben Rohstoffgewinnung und Nutzphase. Stellt man einen Baselayer aus Merinowolle einem Modell aus Kunstfaser gegenüber, schlägt die Wolle bei der Klimagas- Entstehung stark negativ aufs Konto, da Schafe Methan produzieren. Wolle muss aber dank ihrer geruchsmindernden Eigenschaft seltener gewaschen werden als Kunstfaser. Umgekehrt ist die erforderliche Energie zur Produk- tion von Kunstfaser-Shirts gering, allerdings werden sie öfter gewaschen. Das Verhalten des Nutzers ist also mitentscheidend: Je weniger und je kälter man das Shirt wäscht, und je länger es hält, desto geringer ist sein ökologischer Fussabdruck.

Die Baselayer im Überblick

21 Baselayer im Outdoor-Test

Was tun gegen «dicke Luft»?

Durch ihre Nähe zur Haut sind Baselayer eine Sammelstelle für geruchsbildende Bakterien. Hautbakterien zersetzen den Schweiss in lästig riechende Stoffe und sorgen so für den typischen Schweissgeruch. In der freien Natur mag das noch zu ertragen sein. Anders sieht es auf der Hütte aus. So mancher Stinkstiefel musste schon vor der Tür nächtigen! Etwa 90 Prozent aller Kunstfasern, die in Baselayern verwendet werden, sind mittlerweile mit einer geruchsmindernden Ausrüstung ausgestattet. Die ist in der Lage, verschiedene Komponenten des Schweisses umwandeln oder zu binden und so Gerüche zu reduzieren.

Die Liste der Möglichkeiten dafür ist lange und reicht von chemischen Zusätzen bis hin zum antibakteriellen Edelmetall Silber, das entweder in Form von Fäden oder Nanopartikeln eingearbeitet ist. Wollfasern besitzen von Natur aus geruchmindernde Eigenschaften: sie nehmen Schweiss im Inneren auf, nicht aber Bakterien. So entstehen weniger unangenehme Düfte. Die Merino-Produkte entwickelten im Tragetest allesamt weniger Muff als die Kunstfaser-Stoffe. Es gibt also noch einiges zu tun in der Textilforschung!

Reibereien – Stoffe im Stresstest

Ein Baselayer hat es nicht leicht! Er wird oft feucht zusammengeknüllt im Rucksack verstaut oder dient auf der Hütte als Handtuch. Er wird oft gewaschen, Kunstfaser-Shirts durchschnittlich nach jedem zweiten Tragen. Weitere Kleidungsschichten, die darüber getragen werden, reiben an den feinen Fäden und Nähten, noch intensiver tun das Klettverschlüsse und Rucksackträger. Obwohl die Funktion nicht beeinträchtigt wird, sortieren wir unansehnliche Kleidungsstücke oft aus, wenn Fusseln, Löcher oder kaputte Nähte zu sehen sind.

Im Test haben wir unseren Baselayern deshalb eine besondere Abreibung verpasst: den sogenannten Martindale-Abrieb-Test. Einige Stunden lang wurden sie unter Druck mit einem Air-Mesh-Material behandelt, wie es in Rucksackträgern vorkommt. Dabei verloren vor allem die Merinowolle-Baselayer einiges an Dicke – bis zu 18 Prozent beim Ortovox «105 Merino». Mit lediglich 0,1 Prozent Dickenverlust beeindruckte das «DNAmic» von Skins. Die meisten Wolloberteile verloren zwar an Dicke, optisch war ihnen das aber nicht anzusehen. Manche Kunstfaserleibchen schnitten von den Abriebswerten her besser ab, die Oberfläche wurde aber beschädigt oder aufgefilzt und sah ziemlich mitgenommen aus. Im Hinblick auf die stolzen Preise, die einige Hersteller für ihre Produkte aufrufen, ist die Haltbarkeit und Langlebigkeit ein wichtiges Kriterium für die Beurteilung.

GUT ZU WISSEN ...

TROCKNET KUNSTFASER SCHNELLER ALS WOLLE?
Die verblüffende Antwort lautet: Nein! Bei gleicher Temperatur und gleicher Luftfeuchtigkeit trocknen Textilien gleich schnell, verlieren also genau gleich viel Gramm Wasser pro Minute. Der Unterschied liegt in der Kapazität, Feuchtigkeit aufzunehmen, und der damit verbundenen Trocknungszeit. Wenn ein Polyester-Shirt 15 g Schweiss aufnehmen kann, ein gleich schweres Woll-Shirt aber 35 g, dauert es eben länger, bis das Woll-Shirt beim Trocknen sein Ursprungsgewicht wieder erreicht.

So hat der Outdoor Guide bewertet

Jeder Baselayer wurde anhand der Labor- wie der Praxisergebnisse bewertet. Die Bewertung auf den folgenden Seiten ist in Relation zu sehen, d. h. im Gesamtkontext mit allen getesteten Baselayern.

ABRIEB

1 Punkt: starker Dickenverlust (entspricht gemessenen 18 %) 10 Punkte: kein Dickenverlust (entspricht gemessenen 0,1 %)

LUFTDURCHLÄSSIGKEIT

1 Punkt: sehr luftdicht
(entspricht gemessenen 136 Liter/dm2/min.) 10 Punkte: sehr luftdurchlässig
(entspricht gemessenen 850 Liter/dm2/min.)

GERUCHSENTWICKLUNG

1 Punkt: stark unangenehmer Geruch bereits nach wenigen Stunden
10 Punkte: kein unangenehmer Geruch selbst nach mehreren Tagen

TROCKNUNGSZEIT

1 Punkt: sehr lange
(entspricht gemessenen 7 Std.) 10 Punkte: sehr kurz
(entspricht gemessenen 25 Min.)

KLIMAREGULATION

1 Punkt: funktioniert nicht
10 Punkte: funktioniert perfekt

VERARBEITUNG

1 Punkt: mangelhaft
10 Punkte: perfekt

So hat der Outdoor Guide getestet

Intensiver Labor- und Praxistest
Der Test ist in intensiver Zusammenarbeit mit dem Outdoor Content Hub (OCH) entstanden. Das ist eine auf intensive Produkttests spezialisierte Projektinitiative. Der Outdoor Guide ist Gründungsmitglied des OCH. Um herauszufiltern, welcher Baselayer für welchen Sportler und für welche Outdoor-Disziplin am besten geeignet ist, unterzog ein zwölfköpfiges Tester-Team (drei Frauen, neun Männer) die verschiedenen Baselayer beim Sport und im Alltag einem intensiven Praxistest. Alle Erfahrungen aus insgesamt fast 3000 Teststunden dokumentierte das Team in Fragebögen.Zu Beginn und am Ende der zweimonatigen Testphase haben wir zudem die Verarbeitung der Produkte analysiert. Besonders Passform, Klimakomfort und Geruchsentwicklung waren zu bewerten. Die getesteten Grössen waren Männer M und XL sowie Frauen M.

Testkategorien

Wasserrückhaltevermögen

Die Fähigkeit eines Stoffes Wasser aufzunehmen und zu speichern wird durch das Wasserrückhaltevermögen beschrieben. Dazu wird ein Textil gewogen, 24 Stunden in Wasser eingeweicht, danach unter definierten Bedingungen geschleudert und abermals gewogen. Je mehr Wasser im Verhältnis zum eigenen Gewicht im Textil verbleibt, desto höher ist dieser Wert. Je höher dieser Wert, desto länger ist automatische auch die Trocknungszeit.

Luftdurchlässigkeit

Mit einem Luftdurchlässigkeitstester der Firma Textest wurde ermittelt, wieviel Liter Luft pro Quadratdezimeter Textilfläche pro Minute angesaugt werden können. Je höher dieser Wert, desto luftdurchlässiger ist ein Stoff: im Test reichte er von 136 L/dm2/min (sehr wenig luftdurchlässig) bis 850 L/dm2/min (extrem luftdurchlässig).

UV-Schutz

Um sich für die Bezeichnung «UV-schützend» zu qualifizieren, müssen Bekleidungsstücke nach Australischem Standard AS/NZS 4399 mindestens einen Schutzfaktor von UPF 15 haben. Um den UV-Schutz zu bestimmen, haben wir mit einem Spektrophotometer ermittelt, wieviel UV-Strahlung durch das Material dringt und zwar im normalen Zustand und mit 20 % Dehnung des Stoffes.

Bei Werten von 15-24 spricht man von gutem UV-Schutz, UPF 25-39 bedeutet sehr guter UV-Schutz und mit UPF 40-50+ (hier endet die Skala) hat man einen exzellenten UV-Schutz. Bei körperengen Shirts im Gebirge ist Vorsicht geboten, da der UV-Schutz durch die Dehnung des Materials reduziert wird. Das Gestrick wird auseinandergezogen. So kann UV-Strahlung durch den Stoff dringen.

Abriebtest

Mit einem Rucksackmaterial (Air-Mesh) haben wir unseren Baselayern eine besondere Abreibung verpasst: In einem Martindale-Abrieb-Tester der Firma James Heal wurde ein Air-Mesh-Rucksackmaterial 7000 Zyklen lang über den Stoff gescheuert, was in etwa einer Wandertour von 100 Kilometern mit Rucksack (ca. 10 kg) entspricht. Um die Abnutzung zu überprüfen, wurde die Dicke der Baselayer vor und nach dem Abriebtest bestimmt. Bei Produkten aus unterschiedlichen Materialien benutzten wir jeweils das schwächste Material für den Abriebtest, beispielsweise beim Adidas «Skyclimb Top» das Rückenteil aus Polartec.

Alle Laborwerte wurden in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut für Textilphysik und Textilchemie der Universität Innsbruck in Dornbirn, Österreich, ermittelt. Wir haben die Messungen in einer akkreditierten Versuchsanstalt durchgeführt, bei 20° C und 70 % relativer Luftfeuchtigkeit.

Materialwahl – Naturburschen oder Kunstfaser?

Kunstfaser oder Wolle? Oder am besten gleich beides? Traditionell wurden Unterhemden aus Baumwolle gefertigt. Doch die ist aus Sport-und Funktionstextilien so gut wie verschwunden. Sie nimmt zu viel Wasser auf. Die Folge: ein feuchtes, klammes Tragegefühl, sobald man stärker schwitzt. Neben Textilfasern aus Kunststoff werden Naturfasern wie Merinowolle unter Outdoor-Sportlern immer beliebter. Eine neue Stoffgeneration mit einem Mix aus Wolle und Kunstfasern vereint verbesserte Elastizität mit der bewährten Geruchsminderung der Wolle. Dabei wird die Wolle um einen Nylonkern gesponnen.

Unter den Kunstfasern wird Polyester am häufigsten verwendet. Es ist preiswert, pflegeleicht, trocknet schnell und lässt sich gut verarbeiten. Kunstfasern sind meist wasserabweisend und müssen chemisch behandelt werden, um Feuchtigkeit vom Körper weg leiten zu können. Wollfasern sind durch ihre Oberflächeneigenschaften hydrophob, also wasserabweisend, sie können aber Wasser in ihren Hohlräumen speichern und das Körperklima in einem gewissen Bereich puffern. Leider sind sie nicht sehr robust, daher sollen Mischfasern aus Wolle und Kunstfaser oder Wolle und Seide die Abriebfestigkeit und Elastizität der Textilien erhöhen. Die Überraschung im Abriebtest: Die Wolle-Kunstfaser Mischtextilien schnitten genauso (schlecht) ab wie ihre Kollegen aus 100 Prozent Merinowolle, die Mischungen aus Wolle und Seide zeigten allerdings eine bessere Abriebresistenz.

Verstrickte Sache – dehnbar oder elastisch?

Fast alle Baselayer im Test sind im Strickverfahren hergestellt. Ausnahme: das «DNAmic» von Skins, das gewirkt ist. Gestrickte Stoffe bieten den Vorteil, dass sie eine gute Bewegungsfreiheit beim Sport zulassen und sich den Körperkonturen anpassen. Allerdings mit Einschränkung: Strickstoffe sind zwar ohne Elasthan dehnbar, aber nicht elastisch. Dehnbar heisst, dass sie sich in die Breite oder Länge ziehen lassen. Elastisch bedeutet, dass sie in der Lage sind, danach wieder die ursprüngliche Form anzunehmen. Dazu arbeiten die Hersteller beim Stricken unterschiedliche Garne ein.

Um die Funktionalität weiter zu erhöhen, setzen viele Hersteller auf Zonen mit verschiedenen Dicken oder unterschiedlicher Luftdurchlässigkeit. Die lassen sich mittlerweile ohne Nähte integrieren, ein «Bodymapping» entsteht. Strickstoffe haben weniger ebene Oberflächen als gewebte Stoffe. Dadurch ergeben sich weniger Kontaktpunkte mit der Haut. Zwischen Textil und Haut entsteht weniger Reibung, was gleichzeitig mehr Tragekomfort (vor allem in feuchtem Zustand) bedeutet.

Passform und Verarbeitung – versteckte Mankos

Die Passform ist eine sehr individuelle Angelegenheit. Wenige Personen entsprechen tatsächlich exakt Grösse M oder L. Ausserdem variieren die Grössen zwischen den Herstellern und Produkten, aber auch zwischen den Ländern: USA L kann in Europa schon mal XL sein. Um eine Anprobe kommt man deshalb nicht herum. Beim Schnitt für Baselayer gibt es zusätzlich einige Spielregeln: «Ein ideales Unter-Leiberl sollte körperbetont geschnitten sein und keine reibenden Nähte unter den Achseln besitzen oder dort, wo der Rucksackträger aufliegt. Die Rückenpartie darf etwas länger sein, damit man beispielsweise beim Radfahren nicht am Rücken friert. Bei Bewegungen sollte das Shirt nicht nach oben rutschen», erklärt Annemarie Prirsch, Lehrerin für Konfektionierung an der Textil-HTL in Dornbirn. «Ausserdem sollte der Halsausschnitt eng anliegen, und die Ärmel sollten bis über die Handgelenke reichen, um Schutz vor Wind zu gewährleisten.» Nach diesen Kriterien haben wir den Schnitt der Shirts beurteilt und ihn in Kategorien eingeteilt, um eine Idee von der Passform zu vermitteln: Kompression, Tight, Normal und Loose.

Mängel in der Qualität wie aufgehende Nähte oder Einlaufen traten im Laufe des Tests bei den Shirts von Arc’teryx, Bergans, Helly Hansen und Ortovox auf. Ob Nahtstellen zu Problemstellen werden, lässt sich in neuem Zustand kaum sagen. Zu Beginn der Testphase sahen alle Nähte in Ordnung aus.

FAZIT – KEINE PERFEKTEN ALLESKÖNNER

Die Entscheidung fällt nicht leicht! Die eierlegende Wollmilchsau gibt es auch bei Baselayern nicht. Wer sich aber vor der Tour ein Paar Gedanken über seine Unterwäsche macht, wird garantiert mehr Freude haben. Für kurze, schweisstreibende Touren ist ein luftdurchlässiges, leichtes Teilchen mit kurzer Trocknungszeit perfekt. Bei langen Trekkingtouren sind Baselayer von Vorteil, die lange geruchsneutral bleiben und viel Wasser aufnehmen können. Beim Klettern und Bergsteigen ist der Abriebschutz entscheidend und die Luftdurchlässigkeit sollte an das aktuelle Wetter angepasst werden. Am besten also, man deckt sich für alle Fälle mit mindestens zwei, drei unterschiedlichen Modellen ein.

Zur Autorin:

Die promovierte Chemikerin und begeisterte Bergsportlerin Alexandra Schweikart weiss, worauf es bei Textilien im Outdoor Einsatz ankommt. Für den Outdoor Guide testet sie im Labor und am Berg die Stärken und Schwächen von Funktionsausrüstung.

DETAILS IM FOKUS

DAS IST UNS AUFGEFALLEN

21 Baselayer – und jedes hat Stärken und Schwächen. Nach Dauertests im Labor und in der Praxis erhielten wir spannende Ergebnisse. Einige Details waren besonders markant:

Das könnte Sie interessieren

Kommentar hinterlassen


Outdoor Guide

Outdoor Guide GmbH
Eichbergerstrasse 60
CH-9452 Hinterforst

Email: info@outdoor-guide.ch
Phone: +41 71 755 66 55


Folgen Sie uns auf:
Kontaktieren Sie uns

We're not around right now. But you can send us an email and we'll get back to you, asap.

Nicht lesbar? Bitte Text ändern captcha txt

Enter-Taste drücken

Massschuhanfertigung Hanwag