Nortik Trekraft

Fazit

«Das TrekRaft von Nortik ist ein rucksacktaugliches Schlauchboot, dass – gerade mit Verdeck – auch leichtes Wildwasser mitmacht. Ein ideales Boot für kurze Spritztouren ohne die übliche Boots-Logistik, aber auch eine echte Erweiterung für grosse Trekkings.»

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Testeindruck

Nortik TrekRaft

Packrafts gehören einerseits zu den Faltbooten, andererseits auch wieder nicht: In Sachen Gewicht und Packmass unterscheiden sie sich so deutlich von Faltkanadiern, -kajaks & Co., dass Packrafts eigentlich eine eigene Kategorie bilden: Die Rucksackboote. Seit 2016 sind in der Outdoor Guide Redaktion Nortik TrekRafts im Einsatz, so dass unser Urteil auf mehreren Jahren Praxiseinsatz basiert.

Gewicht und Packmass

Das Hauptaugenmerk bei der Entwicklung des TrekRafts wurde auf den möglichst unkomplizierten Transport gelegt. Mit 3,0 kg Bootsgewicht und einem Packmass von 50 x 25 cm – das entspricht in etwa dem Packmass eines 2-Personen-Zelts – gehört das TrekRaft zu den kleinsten und leichtesten Booten überhaupt. Ein Bootswagen ist überflüssig, das TrekRaft kann problemlos von einer Person transportiert werden.

Aufbau

Anders als beispielsweise SUP-Boards oder die meisten Schlauchkanadier wird ein Packraft nicht mit einer Luftpumpe gefüllt. Weil Packrafts mit vergleichsweise niedrigem Betriebsdruck gefahren werden, genügt zum Aufblasen der mitgelieferte Befüllsack. Man koppelt den Auslassstutzen ans Bootsventil und versucht dann, mit Schlingerbewegungen möglichst viel Luft in den Sack zu befördern. Bevor man loslegt, empfiehlt es sich, das Sitzkissen und gegebenenfalls die Rückenlehne (empfehlenswert!) zu montieren – das geht im leeren Zustand deutlich leichter.

Idealerweise weht am Aufbauort ein frisches Lüftchen, dann füllt sich der Sack ganz von alleine. Anschliessend rollt man den Sack oben zusammen, presst die enthaltene Luft ins Boot und wiederholt den Vorgang. Seit dem ersten TrekRaft-Modell hat Nortik am Bootsventil nachgebessert: aktuelle Modelle verfügen über ein Rückschlagventil, so dass weniger Sackfüllungen nötig sind. Zwar strömt wegen des geringen Drucks die Luft nicht schlagartig aus dem Boot, trotzdem liegt die Zeitersparnis bei den neuen Ventilen mit Rückschlag bei etwa 1 bis 2 Minuten pro Aufbau. Mit dem Rückschlagventil wurden auch die Masse des Stopfens verändert, so dass Befüllsäcke der ersten Generation nicht auf Ventile der zweiten Generation passen. Theoretisch lassen sich die Befüllsäcke auch als Trockensäcke verwenden, denn sie verfügen über einen Rollverschluss mit Steckschnallen. Eine Abdichtung für den Luftauslass muss man sich allerdings selbst basteln, etwa aus einem Korken. Wir haben in der Praxis immer auf eigene, bereits vorhandene Trockensäcke für den Gepäcktransport zurückgegriffen.

Mit der Füllsack-Methode wird das Boot nicht prall gefüllt, sondern nur zu etwa 80 bis 90%. Anschliessend wird bei unserer Variante – TrekRaft mit Verdeck – der Süllrand am Boot montiert. Vier Alu-Gestänge werden zusammengesteckt, auf der Einstiegsluke platziert, der Rand umgeschlagen und mit einer Spannschnur fixiert. Was sich leicht anhört, hat durchaus etwas Frustpotenzial – ohne etwas Übung flutscht das Gestänge gerne mal aus dem Süllrand heraus. Auch hier hat Nortik seit dem ersten Modell deutlich nachgebessert, die Passgenauigkeit von Gestänge und Süllrand ist bei aktuellen Modellen erheblich verbessert. Beim ersten Trekraft behalfen wir uns schliesslich, indem wir zwei kleine Flicken Bootshaut aus dem Ersatzmaterial als Führung unter den Süllrand klebten. Somit bleibt der Süllrand auch hier immer gut mit dem Gestänge verbunden. Am Süllrand wird für Wildwassereinsätze die Spritzschürze befestigt. Beim TrekRaft ohne Verdeck entfällt der Süllrand natürlich komplett.

Ist der Süllrand montiert, ist der Aufbau fast abgeschlossen: Über das Mundventil wird das Boot ganz einfach fertig aufgepumpt. Das geht überraschend gut und schnell, vorausgesetzt natürlich, man hat das Boot nicht nur zur Hälfte mit dem Sack befüllt. Selbst bei Verlust des Befüllsacks ist eine Komplettbefüllung mit dem Mund aber realisierbar. Nach ein bis zwei Mal Aufbauen hat man den Dreh raus und hat ein Boot in ca. fünf Minuten fahrbereit.

Fahreigenschaften

Packrafts sind bauart-bedingt keine Speedwunder. Auf Stehgewässern und ohne Gegenwind konnten wir – allesamt keine Paddel-Olympioniken – eine konstante Geschwindigkeit von 4 bis 4,5 km/h erreichen. Durch den flachen Boden und die kurze Bootslänge sind Packrafts naturgemäss auch weniger spurtreu als lange, schnittige Kanadier. Lässt man sich im Fluss treiben, dreht das TrekRaft relativ schnell das Heck nach vorne, was im Grunde kein Problem ist – ausser, man möchte in Ruhe in eine bestimmte Richtung fotografieren. Wer sehr viel Wert auf Geradeauslauf legt und trotzdem ein Packraft will, ist beispielsweise mit dem Nortik CityRaft besser bedient.

Das war es aber auch schon mit den Nachteilen. Packrafts sind extrem kippstabil, lassen sich intuitiv steuern und sind sehr fehlerverzeihend. Zudem ist das Boot durch den flachen Boden und die kurze Bauform enorm wendig. Mit Ziehschlägen lässt sich das Packraft rasch versetzen. Zusammen mit der Kippstabilität und dem geringen Befülldruck, der Kollisionen gut abfedert, ist ein Wildwassereinsatz durchaus möglich, wie etwa dieses Video beweist:

Das Fahrgefühl in einem Packraft ist, verglichen mit gewöhnlichen Schlauchbooten, wie der Unterschied zwischen Auto und Go-Kart: Man sitzt viel tiefer, sozusagen direkt auf dem Wasser. Beachten sollte man, dass Packrafts je nach Wassertemperatur anfangs etwas Druck verlieren, weil sich die auskühlende Luft zusammenzieht. Je kälter der Fluss, desto stärker ist dieser Effekt spürbar. Weil sich das Boot besser steuern und beschleunigen lässt, je mehr Druck im Boot ist, sollte man hier möglichst über das Mundventil wieder nachfüllen. Mit etwas Übung gelingt das, ohne aus dem Boot auszusteigen. Noch leichter geht es natürlich, wenn man nicht alleine auf dem Wasser ist und sich gegenseitig helfen kann. Abhilfe schafft auch, das Boot nach dem Aufpumpen erst noch 5 Minuten am Ufer ins Wasser zu setzen, und dann nochmals nachzupumpen.

Abbau

Zum Abbau empfiehlt es sich, mit einem Handtuch das Boot noch im aufgepumpten Zustand trockenzuwischen, so kommt man leichter in die Ritzen. Rückenlehne und Sitzkissen werden nur entleert und bleiben im Boot liegen. Ist die Luft aus dem Boot, kann man es zusammenlegen oder – unsere bevorzugte Methode – der Länge nach zur Hälfte einschlagen und wie eine Isomatte zusammenrollen. Mit dem Spanngurt von der Gepäckhalterung fixiert man die Rolle. Der Packsack ist gut dimensioniert und nicht zu eng.

Tipps

Bei frischen Gewässern empfiehlt es sich, eine Unterlage ins Boot zu legen, es gibt sogar spezielle Aufblasmatten dafür. Eine alte, zurechtgeschnittene Isomatte tut es aber auch. Fast schon ein Muss als Zubehör ist die Rückenlehne. Die kostet zwar nicht viel, allerdings muss man sich selbst mit entsprechenden Patches aus Bootshaut eine Befestigung basteln. Bereits vormontiert sind dagegen vier Loops zur Gepäckbefestigung. Wir haben jeweils die vorderen und hinteren mit einer Reepschnur verbunden und daran das Gepäck mit einem Spanngurt fixiert – simpel, schnell und unkaputtbar. Apropos Gepäck: Ab ca. 12 kg auf dem Bug wird das Packraft deutlich buglastig. Ab dieser Menge sollte man überlegen, auch etwas Gepäck am Heck zu verstauen. Sehr spannend ist das 2019 neu konzipierte TrekRaft Expedition, bei dem die Schläuche des Boots mit Gepäck befüllt werden können.

STÄRKEN

+ extrem leicht und kompakt
+ einsteigerfreundliche Fahreigenschaften
+ pflegeleicht
+ bedingt wildwassertauglich

SCHWÄCHEN

– konstruktionsbedingt nicht sehr schnell
– etwas Bastelfreude sollte man zur Bootsoptimierung mitbringen

Zusätzliche Information

Details

Nortik Trekraft

Preis: EUR 599.- (mit Verdeck EUR 799.-)
Gewicht: 2,7 kg, mit Verdeck 3,0 kg
Länge/Breite: 230 x 92 cm
Innenmass: 130 x 39 cm
Packmass: 50 x 25 cm
Zuladung: 150 kg
Material: TPU
Lieferumfang: Sitz, Befüllsack, Tasche

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