Arc’teryx Alpha SK 32

Der Alpha SK 32 von Arc’teryx: Ein minimalistischer, bequemer und gut verarbeiteter Rucksack für Skibergsteiger, die beim Packen gerne selbst mitdenken und offen für eigene Lösungen sind. Einzig die „gegenläufige“ Deckeltasche warf Fragen auf. Verfügbar ab Herbst/Winter 2018/19.

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Testeindruck

Auf der ISPO 2018 hat Arc’teryx einen neuen Rucksack vorgestellt: Den Alpha SK 32. Der Outdoor Guide hatte die Möglichkeit, den Rucksack einem ersten Test zu unterziehen. Wie der Name schon verrät, wurde hier das Rad nicht komplett neu erfunden, sondern auf dem Kletterrucksack Alpha FL aufgebaut. Laut Arc’teryx sei der Alpha FL zunehmend auch bei Skibergsteigern gesichtet worden, wofür er aber vor allem wegen der fehlenden Skibefestigung nicht optimal geeignet sei. Also wurde das Grundprinzip des Alpha FL – ein schnörkellos schlichter und minimalistischer, aber robuster Rucksack – aufgenommen und mit Lösungen für die Anforderungen von Skibergsteigern versehen. Im Produktnamen drückt sich das durch das Kürzel „SK“ aus. Anmerkung am Rande: Während unser Testmodell noch „Rush FL 32“ hiess, wird das Serienmodell „Alpha SK 32“ heissen und im kommenden Herbst/Winter erhältlich sein.

AUSSTATTUNG

Wie angekündigt hat sich Arc’teryx beim Design des Alpha SK 32 vornehm zurückgehalten und den Rucksack nicht mit einer Vielzahl an Taschen, Gurten, Einschüben und Fächern überladen. Neben einem grossen Hauptfach gibt es ein Frontfach für die Lawinenschaufel oder die Felle. Dort sind auch vernähte Einschübe für Sonde und Schaufelstiel zu finden. Über einen grossen seitlichen Reissverschluss kann man auf das Hauptfach zugreifen, ohne die Deckeltasche öffnen zu müssen. Der Reissverschluss ist rechts platziert – beim Packen also mitdenken, um sich unnötiges Gewühle zu ersparen.
Über die Front sind in zwei Höhen je fünf fest einlaminierte Schlaufen zu finden. Bei unserem Testmodell waren zwei Voile-Straps für eine diagonale Skibefestigung angebracht. Das Konzept ist, dass die Straps je nach Anforderung frei platziert werden können – z.B. für eine klassische A-Befestigung der Ski. Snowboarder müssen sich vorab längere Straps besorgen. Spezielle Lösungen für die Befestigung von Eisgeräten oder einem Eispickel gibt es nicht, hier ist der Nutzer gefordert, sich mit den vorhandenen Schlingen etwas zu basteln.
Im Rucksackdeckel ist eine Reissverschlusstasche mit Schlüsselclip eingearbeitet. Der Deckel selbst wird mit zwei Metallhaken verschlossen – übrigens nicht Richtung Front, sondern Richtung Rücken. Innentaschen gibt es keine.
Aussen am Rücken hat Arc’teryx beim Alpha SK 32 ein recht festes, aber wenig auftragendes Rückenpolster auf den eigentlichen Packsack aufgeklebt. Es geht nahtlos in die ebenfalls leicht gepolsterten Schulterträger über. Auch im Hauptfach selbst ist eine (etwas härtere) Rückenplatte aus Schaumstoff zu finden, die ebenfalls fest verklebt ist und nicht entnommen werden kann. Da der Rucksack kein Rahmengestänge hat, sind die beiden Rückenplatten für die Formstabilität des Rucksacks zuständig.
Der Brustgurt kann über Daisy-Chain-artige Aufnäher (6 Optionen) in der Höhe verstellt werden. Der Hüftgurt ist minimal gehalten und besitzt keine Hüftgurtflossen oder gar Taschen. Designziel dürfte hier gewesen sein, störende Überlappungen mit einem Klettergurt zu vermeiden.
Wir wogen am Testmodell ein Leergewicht von 916 g, mit den beiden Straps waren es 986 g. Arc’teryx gibt für das finale Modell ein Gewicht von 1000 g an.

 

In der Praxis: Drei Dinge, die uns auffielen

1. Die Straps

Speziell angepasste Lösungen wie Skibefestigungen und Pickelhalter können für den einen perfekt, für den anderen völlig unbrauchbar sein. Arc’teryx macht mit den frei positionierbaren Gummistraps eine klare Aussage: Skibergsteiger wissen selbst am besten, wie und wo sie ihre Ausrüstung befestigen wollen. Nicht ablenken lassen darf man sich vom Bastel-Look, den die Voile-Straps verströmen: Die Straps am Alpha SK 32 mögen zwar etwas altbacken aussehen, haben sich aber über Jahrzehnte im Skisport bewährt. Das Gummi ist kälteresistent und dennoch sehr elastisch, die Straps quasi unzerstörbar und im Zweifel (oder Verlustfall) für schmales Geld nachgekauft. Ebenfalls ein Bonus: Die Straps sind echte Allzweckwaffen, mit denen mal ein Fell befestigt, eine gebrochene Schnalle behelfsmässig fixiert und sonstige Notfallreparaturen getätigt werden können. Viele Skibergsteiger haben immer ein bis zwei im Rucksack – da kann es nicht schaden, auch zwei am Rucksack selbst zu haben. Zumal die diagonale Skibefestigung mit den Straps schnell und einfach von statten geht: Wir empfanden es im Test als angenehm, dass sich die Gummis mit ihrer Elastizität genau an die Skibreite anschmiegen. So sitzen die Ski auch über längere Zeit straff am Rucksack, während sich bei üblichen Gurtbändern gerne mal beim Gehen etwas lockert. Gut ist auch, dass man sich diverse Geduldsspiele mit Einfädeleien erspart: Die Gummistraps kann man ganz öffnen und von oben über dem Ski schliessen – es gibt keine nervige Plastiksteckschnalle, die wieder genau über die Skikante läuft und zur Neupositionierung des Gurtes zwingt. Ohne Absetzen des Rucksacks geht es natürlich nicht, aber der Alpha SK will ja auch kein Rucksack für Rennläufer sein.
Sind die universellen Straps für die Skibefestigung also durchaus praxistauglich, schaut es mit der Pickelbefestigung anders aus. Eine kleine Schlaufe zum Durchfädeln und Umschlagen wäre wünschenswert, zumal sie nicht ins Gewicht fällt. Hier ist der Nutzer gezwungen, sich etwas zu Basteln: Eine Schlinge einknüpfen, weitere Straps befestigen – Möglichkeiten gibt es viele. Schade nur, dass eine taugliche und schlichte Standardlösung eigentlich in greifbarer Nähe lag.

2. Tragekomfort / Passform

Gut gefallen hat uns der flach und mittelhart gepolsterte Rücken. Der Rucksack liegt nah am Rücken an, so dass der Träger viel Kontrolle über die Last behält – wichtig insbesondere dann, wenn die Ski am Rücken sind. Schön gelöst ist auch der nahtlose Übergang des Rückenpolsters in die Schultergurte. Auch längeres Skitragen gestaltet sich so unauffällig und damit angenehm, eine Neuausrichtung der Last ist nicht nötig. Kein Zwicken, kein Wackeln – passt!
Der Schaum des äusseren Rückenpolsters ist sehr geschlossenzellig bzw. feinporig. In Kombination mit der recht enganliegenden Passform (Kontaktrücken) dürfte der Rucksack bei warmen Temperaturen zum Schwitzen anregen. Bei recht kalten Testtemperaturen (-6 °C) war das kein Problem und ist auch generell kein grosser Kritikpunkt, da bei einem minimalistischen Rucksack wie dem Alpha SK der Fokus logischerweise nicht auf der Rückenbelüftung liegt. Nur wissen sollte man es vor dem Kauf.
Das härtere Innenpolster verschafft dem Rucksack noch etwas mehr Stabilität und sorgt dafür, dass man keine Gegenstände störend im Kreuz spürt. Für die 32 Liter Volumen ist der flossen- und polsterlose Hüftgurt des Alpha SK 32 noch ausreichend, in einer grösseren Variante würden wir aber definitiv Hüftflossen bevorzugen, um die Last auf die Hüfte zu bringen. Der Vorteil ist natürlich, dass es zu keinen Komplikationen mit dem Klettergurt kommt.

3. Die Deckeltasche

An der Deckeltasche schieden sich in der Redaktion die Geister. Dass man den Deckel nicht zum Rücken, sondern gegen die Front klappt, war für die meisten Tester zumindest ungewohnt. Der Vorteil besteht natürlich darin, dass die Deckeltasche trotz montierter Ski (insbesondere bei Diagonal-Befestigung) geöffnet werden kann. Als nachteilig empfanden wir, dass Feuchtigkeit zwischen Rücken und Rucksack deutlich leichter in den Rucksack dringen kann – insbesondere bei aufgesetzter Kapuze dürfte das abfliessende Wasser direkt unter die Deckeltasche kriechen. Dagegen kann man sich zum einen mit gutem Material und dichten Nähten schützen, was der Alpha SK 32 zweifellos erfüllt. Zum anderen hilft es, die Deckeltasche stets „zuzuknallen“, um den Spalt zwischen Rücken und Deckel möglichst gering zu halten. Dann aber wird fast unweigerlich der Tragegriff unter dem Deckel eingezwickt – beim Seiltransport unter dem Rucksackdeckel ist es ohnehin nicht möglich. Apropos: Ein Riemen zur Befestigung des Seils fehlt. Beim Serienmodell könnte eine innen fest vernähte Abdeckung gegen eindringende Nässe Abhilfe schaffen, ähnlich wie sie bei Kompressionssäcken von Schlafsäcken üblich ist.
Gerade durch den aussenliegenden Schnellzugriff sahen wir eigentlich keine Not, einen „gegenläufigen“ Rucksackdeckel zu konstruieren. Zu loben sind in jedem Fall die Metallhäkchen – handschuhfreundlich, unkaputtbar.

 

Das ist uns noch aufgefallen:

– Das robuste Material. Liegen die Skikanten bei der Diagonalbefestigung offen auf dem Rucksack, ist das Gift für jedes Material. Beim Alpha SK 32 waren ein paar Kratzer zu sehen, aber keine Materialeinbussen. Gut!

– Der umgelenkte Hüftgurt: inzwischen eigentlich selbstverständlich, aber noch nicht an allen Rucksäcken zu finden: Um den Hüftgurt enger zu stellen, zieht man die Gurtenden nach vorne. Das ist bequemer und geht etwas feinfühliger, als sie Richtung Rücken zu ziehen.

– Der Minimalismus. Gute Materialien und top Verarbeitung statt hunderter Schnallen und Bändchen – vom Grundsatz ist dieses Prinzip sympathisch. Auch deshalb, weil er den Nutzer zum Mitdenken auffordert und nichts endgültig vorgibt. Wer dagegen auf bewährte Detaillösungen (z.B. Hüftgurttasche, Trinkflascheneinschub, Helmhalterung etc.) nicht verzichten kann, stösst beim Alpha SK 32 schnell an Grenzen.

Zusätzliche Information

Details

Gewicht: 1000 g
Volumen: 32 Liter
UVP: CHF 329.-
Erhältlich ab: Herbst/Winter 2018/19

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