Trekking am Calanda

 In Vorschau Reportage Sommer

Bunte Berge, wilde Wölfe

Tief eingegrabene Täler. Schroffe Flanken in Gesteinsschichten, wie bunter Blätterteig. Weite Hochflächen voller Kuhgebimmel und Schafsgeblöke. Heidiland oder doch wilder Osten, wo Wölfe herumgeistern? Ein Trekking über den Calanda und durch den Geopark Sardona setzt aufregende Akzente.

«Direkt vom Haus aus kann ich sie manchmal sehen, wenn sie am Waldrand entlang huschen», verrät Susi, Wirtin vom Buura Beizli ob St. Margarethenberg. Zum Beweis zeigt die Tochter ein Handy-Foto mit zwei Jungwölfen.

«Das kann doch nicht normal sein, dass sich Wölfe so nah an Menschen trauen, ja sogar durch Dörfer streifen.»

Susi schüttelt den Kopf. «Letztens in Vättis, da stolperte einer fast über einen Wolf, nachts, als er aus der Kneipe kam.» Die Jäger fürchten um ihr Wild, die Hirten um ihre Schafe, die einheimischen Familien um ihre Kinder und der Rest freut sich, dass der Wolf seine alte Heimat zurückerobert. Ein kontroverses Thema, das uns auf unserer Fussreise durch die Taminagruppe in Atem halten wird.

Aus geheimnisvoller Gruft empor

Eigentlich nicht verwunderlich, dass sich der Wolf diese wilde Gebirgsfaltung zwischen Sargans und Churer Rheintal aussuchte, um wieder heimisch zu werden. Der enge Schlund der Taminaschlucht, ein Katzensprung von Bad Ragaz, bietet den reizvollsten Zugang ins Wolfsgebiet. Trotz sommerlicher Hitze fröstelnde Temperaturen. Nur mittags schaffen es ein paar einzelne Sonnenstrahlen hinein und beleuchten gespenstisch das Felsgewölbe, in dem es tost und tropft. Dampfschwaden und leichter Schwefelgeruch verraten die Thermalquelle im hinteren Teil. Welch düstere Gruft, um zu kuren. Im Mittelalter mussten die Heilsuchenden noch eine abenteuerliche Abseilaktion über sich ergehen lassen. So furchterregend, dass man sich lieber nicht von den Mönchen des nahen Klosters abends wieder hinaufhieven liess, sondern gleich unten blieb. Bis zu zehn Tage verbrachte man ununterbrochen im Wasser, denn nur bei aufgeweichter Haut, so hiess es, könnten die Giftstoffe entweichen. Anno 1630 endlich wurde ausserhalb der Quellschlucht ein erstes Badehaus gebaut, das Heilwasser über sogenannte Holzteucheln herausgeleitet. Die weiter ausgebaute Anlage florierte, konnte bis zu 500 Gäste aufnehmen. Heute dient das Alte Bad Pfäfers, das älteste noch erhaltene Barockbadehaus der Schweiz, als Museum und Gaststätte. Und der Wellnesskult findet in Bad Ragaz statt.

«Ob wir den Wolf sehen? Aber dann lenkt uns die gute Küche ab.»

Über einen steilen Treppenweg steigen wir auf die sonnigen Höhen von St. Margarethenberg. Im Buura Beizli füllen Tagesgäste den Gastgarten. Doch abends ist es herrlich ruhig. Ob wir den Wolf sehen? Aber dann lenkt uns die gute Küche ab. Die knusprigen Bratkartoffeln mit Leberli von Susi. Ihr Mann Severin, gelernter Bäcker, produziert das Brot und die süssen Schlemmereien. (…)

Text und Fotos: Iris Kürschner und Dieter Haas

 

Die vollständige Reportage gibt´s im Outdoor Guide, Sommer-Ausgabe 2016.

©Iris Kürschner/Dieter Haas
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