Alles ausser Alpen

Blättert man sich durch die Prospekte diverser Bergschulen aus dem Alpenraum, bekommt man leicht den Eindruck, dass ausseralpine Ziele den Alpen den Rang ablaufen. Eine Woche Freeriden in Georgien, mit Tourenski auf den marokkanischen Toubkal, Frühjahrs-Firnfreuden auf den Lofoten mit dem Segelschiff als Basislager – all das steht gefühlt fast höher im Kurs als eine klassische Silvretta-Durchquerung oder die Urner Haute Route.

Insofern trifft dieser Skitourenführer von Stefan Stadler voll den Zeitgeist. Im Gegensatz zum Pauschalangebot richtet er sich jedoch an den eigenständigen Skibergsteiger, der die Heimat vielleicht schon erschöpfend erkundet hat und neue Ziele ausserhalb der Alpen entdecken möchte.

«Die vorgestellten Ziele», so Stadler, «führen in Gebiete, in denen häufig die gewachsenen Kulturen und die Wertvorstellungen teils erheblich von denen des Alpenraums abweichen.» Da trifft es sich gut, dass Stadler bei der Charakterisierung von Land & Leuten, Kulinarik, Unterkunft etc. volle Sorgfalt hat walten lassen. Wie kommt man am besten von A nach B? Lohnt es sich, eine oder gar zwei Wochen hier zu bleiben, wann herrscht das günstigste Klima, welche lokalen Gefahren (z.B. Windphänomene) treten auf?

Nicht nur Google, sondern ein reicher Erfahrungsschatz

Stadler beschränkt sich dabei nicht auf leicht ergooglebare Hinweise, sondern gibt seinen Erfahrungsschatz umfassend weiter. Wann schliessen die Restaurants, was darf man kulinarisch auf keinen Fall verpassen (und was schon), welche Optionen haben Low-Budget-Reisende (z.B. in Norwegen!), an welche Bräuche sollte man sich halten, welche kulturellen Highlights runden die Skitourenreise ab?

Dank all dieser reichhaltigen Informationen entstand ein ordentliches Pfund von Skitourenführer mit fast 500 Seiten, den man eher nicht auf Tour mitscheppt – aber Download-Codes für die GPS-Tracks sind ja dabei. Die Qualität der Tourenbeschreibungen ist, wie üblich bei Panico, durchwegs auf hohem Niveau. Übersichtsbilder mit eingezeichneten Routenverläufen charakterisieren die Touren meist schon auf einen Blick, Koordinaten für die Ausgangspunkte, Distanz und Höhenunterschied, Exposition, technische Schwierigkeiten – alles Relevante hält dieser Führer bereit, ohne überfrachtet daherzukommen. Die Karten lassen sich problemlos auch ohne Legende lesen, die Beschreibungen sind präzise und ohne unnötige Ausschweifungen.

Zu den Zielen selbst: Ein gutes Drittel der Touren werden von den benachbarten Inselgruppen Lofoten (6 Touren), Senja (14 Touren) und Lyngen (5 Touren) im Norden Norwegens eingenommen – was dem gegenwärtigen Reise-Hype um diese Skitourenziele durchaus entspricht. Dazu kommen noch 16 Touren im Gebiet um Sunnmore/Romsdal etwas weiter im Süden Norwegens. Die polnische und slowakische Tatra mit 10 Touren, die Abruzzen (5 Touren), Kreta (8 Touren), Pyrenäen (9 Touren, hier v.a. das Val d’Aran und das Maladeta-Massiv), die Sierra Nevada (6 Touren), Island (9 Touren) sowie Bulgarien (12 Touren).

Damit sind die ausseralpinen europäischen Skitourenziele zwar nicht erschöpfend behandelt – der Balkan, die Türkei und die rumänischen Karpaten hätten durchaus noch spannende Kapitel ergeben – aber fürs Erste sollte das Fernweh mehr als nachhaltig gestillt sein. Klare Kaufempfehlung!

STEFAN STADLER
«Abenteuer Skitouren – Best of Europa.»
Die schönsten Ziele zwischen Island und Kreta
1. Auflage 2019, 480 Seiten, 148 x 185 mm, Softcover, komplett 4 Farbig
Panico Alpinverlag
ISBN: 978-3-95611-119-8
CHF 49.80
www.panico.de

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