Heimaturlaub

Rezension: Thomas Ebert

Aus ungewollten Gründen könnte diese schöne Erstauflage aus dem SAC-Verlag den Nerv der Zeit treffen. Gut möglich nämlich, dass das Interesse der Schweizerinnen und Schweizer an heimatlichen Hüttentrekkings in Zeiten von Corona noch gestiegen ist – abzuwarten bleibt freilich, inwieweit die 153 SAC-Hütten das Hygienekonzept umzusetzen imstande sind.

26 anspruchsvolle Trekkings von Hütte zu Hütte in den Schweizer Alpen sind in diesem Buch detailliert dargestellt. Es ist für jedes Zeitbudget etwas dabei – von der Dreitagestour bis zum 7-Tage-Unternehmen mit Etappen zwischen vier und neun Stunden Wanderzeit. Der Unterschied zum bereits 2018 erschienenen SAC-Hüttenführer für Bergwanderer: Diesmal geht es um «Alpinwandern», alle Routen sind entsprechend schwieriger zu begehen als die Trekkings aus dem Buch von 2018 und bewegen sich in den Schwierigkeitsgraden T3 bis T6. Ausdauer, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind also Grundvoraussetzung für einen genussvollen Verzehr der hier präsentierten Hüttentrekkings.

Alpine Gleichberechtigung

Beispiele gefällig? Da gibt es Gletschertrekkings wie von der Lämmeren- zur Wildstrubelhütte oder im Reich des Tödi von der Hüfi- zur Planurahütte, anhaltend steile und ausgesetzte Treks wie die  Durchquerung der Blüemlisalp von Kandersteg nach Mürren, mit dem Felsriegel der Fründschnuer. Hoch hinaus auf die Stützpunkte der 4000er-Aspiranten geht es im Wallis mit Treks in der Weisshorn-Region. Das Buch führt auch Klassiker auf wie die Via Alta Verzasca, aber auch stille Wege wie die „Tessiner Haute Route“, auf der man im Rifugio Sasso Nero in einer sehr speziellen Hütte nächtigt: Die ehemalige Alphütte wurde in ein kleines , unbewartetes Refugium mit gerade einmal 4 Schlafplätzen und rustikaler Granit-Dusche umfunktioniert. Sehr zu loben ist, dass Autor Coulin den ganzen Alpenbogen gleichermassen berücksichtigt. Anders, als man es hätte erwarten können, drängen sich die schweren Hüttentreks nicht nur in den mächtigen Westalpen. Auch die Zentralschweiz, Glarus, Graubünden, Tessin sind hier sozusagen «gleichberechtigt» vertreten.

Die Aufmachung ist wie beim SAC gewohnt von gehobener Qualität: handliches Format, solides Papier, übersichtliches Layout. Der umfassende «Theorie-Teil» zu Beginn des Auswahlführers hilft beim Gebrauch des Führers, bei der Einschätzung des eigenen Könnens, der passenden Tourenwahl und der Vermeidung unnötiger Risiken – insbesondere durch das enthaltene «Planungstool 3×3 Bergsport». Ausrüstungstipps, aktuelle Hinweise zu Hüttenreservationen und nützliche (aber nicht belehrende) Anmerkungen zum Thema Hüttenkultur und -knigge runden den Theorie-Teil ab. Die Touren selbst werden in gelungener Mischung aus Bild und Text vorgestellt, wobei die «Stars» des Führers – die Hütten – passenderweise besonders detailliert in Kurzporträts präsentiert werden. Auch ein (nicht mehr selbstverständliches) Ortsregister ist enthalten. Einzig bei der Bildqualität wäre hier und da noch etwas Luft nach oben gewesen.

Fazit: Eine gelungene Fortsetzung des ersten Bandes von 2018, der ambitionierte Hüttentrekker viele Sommerwochen(-enden) beschäftigen wird!

DAVID COULIN
«Alpinwandern von Hütte zu Hütte. Anspruchsvolle Hüttentrekkings in der Schweiz»
ISBN: 978-3-85902-450-2
CHF 49.- (Mitglieder 39.-)
www.sac-cas.ch

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