Klettern: Seilautomat statt Seilpartner

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Auroco Epic: Vollautomatische Sicherungsgerät für Solokletterer

Vom Strommast in die Kletterhalle: Bisher wurde das vollautomatische Sicherungsgerät «EPIC» vom deutschen Startup «Auroco» nur von Industriekletterern verwendet. Mit einer Crowd-Funding-Kampagne will der Hersteller den Seilautomaten aber noch 2016 in die Kletterhallen bringen. 

Laut Hersteller Auroco ist das «EPIC« das weltweit erste vollautomatische Sicherungsgerät. Bisher wurden 100 Stück im Industriemarkt abgesetzt, der Preis pro Gerät liegt derzeit zwischen 5’000 und 6’000 Euro netto.

Die Funktionsweise des Auroco Epic beschreibt der Hersteller wie folgt:

«EPIC ist eine elektronische Seilsicherung, die über eine Fernbedienung am Oberarm gesteuert wird. Das Sicherungsgerät ist etwa backsteingross, leicht tragbar und läuft akkubetrieben. Es wird entweder mit Schrauben oder Klickverschlüssen an den Wänden fixiert oder kann auch im mobilen Einsatz per Gurt an x-beliebigen festen Strukturen festgezurrt werden. Zu Beginn des Vorstiegs wird das Seil eingefädelt. Die EPIC-Elektronik beinhaltet eine Rolle, die das Seil führt und einen kleinen Motor, der das Seil nach sich zieht. Doch wie erkennt das Gerät einen Absturz? Die Elektronik überwacht die Drehung und erkennt einen Sturz an einer überhöhten Drehzahl. Es bremst elektromechanisch. Zusätzlich trägt der Kletterer einen 3-Achs-Beschleunigungssensor am Handgelenk. Registriert der Sensor einen Sturz, wird binnen 30 Millisekunden auch das Bremssignal an die Basis gefunkt, spätestens nach einem Meter greift die Seilbremse. Und wenn die Technik nun versagt? Dann wird durch die zu hohe Drehzahl der Rolle die Fliehkraftkupplung aktiviert, welche die Bremse schliesst.»

Für das Nachholen des Seiles läuft der Motor im Leerlauf, im Nachstieg zieht das Gerät das Seil automatisch ein. Das «Zu», also das Einholen des Seiles, kann der Kletterer auch per Knopfdruck an seiner Funksteuerung auslösen.

Das Auroco Epic ist vom deutschen Prüfinstitut DEKRA zertifiziert. Auroco-Mitgründer Jan Lohse erklärte auf Nachfrage, dass diese Zertifizierung derzeit nur für die Verwendung mit statischen Seilen gelte. Die Benutzung mit dynamischen Kletterseilen werde derzeit zertifiziert. Ob die Installation eines Vollautomaten zum Soloklettern in Kletterhallen überhaupt rechtlich möglich ist, ist derzeit noch unklar.

Zur Finanzierung des Ziels, das Auroco Epic noch 2016 in Kletterhallen und -gärten zu bringen, hat der Hersteller eine Crowdfunding-Kampagne auf der Plattform Conda gestartet. «Vorstieg, Nachstieg und auch Abseilen wären damit erstmals in der Sportgeschichte alleine ohne Kletterpartner möglich», verspricht die Firmenmitteilung. Verzichtet man auf einen Vollautomaten, ist gesichertes Soloklettern mit dem entsprechenden Know-How allerdings auch heute schon möglich.

 

Die Firmengründer von Auroco: Jan Lohse und Florian Widmesser (v.l.) ©AUROCO-MatthiasGravelmann
Das Seil soll beim Auroco EPIC auch per Fernbedienung eingeholt werden können.

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