Olympische Spiele: Sportklettern ab 2020 dabei, Skibergsteigen anerkannt

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Die Olympischen Spiele werden alpiner

Kurz vor Beginn der Sommerspiele in Rio gab das Internationale Olympische Komitee (IOC) diverse Neuerungen bekannt. Klettern wird ins Programm der nächsten Sommerspiele in Tokio (2020) aufgenommen, und der Verband der Skibergsteiger (ISMF) als olympischer Verband anerkannt. Damit kehren alpine Sportarten nach 80 Jahren wieder ins olympische Programm zurück.

In Tokio wird geklettert: Am 3. August hat das IOC bei seiner 129. Session insgesamt fünf neue Sportarten ins Programm der olympischen Sommerspiele aufgenommen. Neben Klettern sind das Baseball, Skateboard, Karate und Surfen. «Wir wollen mit diesen Sportarten die Jugend erreichen», wird IOC-Chef Thomas Bach zitiert.

Beim Schweizer Alpen-Club ist man mit der Entscheidung sehr glücklich: «Mit dem Entscheid des IOC fühlen wir uns in unserer langjährigen Arbeit bestätigt und freuen uns auf eine spannende Zukunft», sagt Hanspeter Sigrist, Chef Leistungssport SAC. Ganz ähnlich äussern sich auch die Vertreter anderer alpiner Verbände, sowie natürlich der Internationale Sportkletterverband ISFC:

Wermutstropfen Kombinationswertung

Viele der Athleten selbst haben dagegen noch etwas Bauchschmerzen mit dem nun wahrgewordenen Traum von Olympia. Der Grund: Die drei eigenständigen Weltcup-Disziplinen Bouldern, Lead und Speed sollen in einer Art Kombinationswertung zusammengefasst werden. Medaillen erhalten dann diejenigen Athleten, die im Schnitt in allen drei Disziplinen am besten abschneiden – ein Dreikampf des Sportkletterns sozusagen.

Während die meisten Athleten wohl mit einer Kombiwertung aus Bouldern und Lead noch leben könnten, stösst die Hinzunahme der Speed-Disziplin vielen sauer auf. Die mehrfache Boulder-Weltmeisterin Anna Stöhr aus Österreich wird auf bergsteigen.com etwa so zitiert: «Es ist schier so als ob man Sprint, Hürdenlauf und Marathon zusammenfasst. Ob das sinnvoll und wünschenswert ist?» Und der Star der Szene, Adam Ondra, überlegt sich unter diesen Voraussetzungen sogar, die Olympischen Spiele zu boykottieren. Die Speed-Disziplin, bei der es nur um die reine Schnelligkeit an einer standardisierten Route geht, hat für Ondra mit der Philosophie des Felskletterns nicht mehr viel gemein. So gut wie alle aktiven Sportkletterer und deren Trainer hoffen derzeit, dass die anvisierte Kombinationswertung vom IOC noch einmal überdacht wird.

Auch Skibergsteigen vom IOC anerkannt

Auch bei den Skibergsteigern wurde in der Nacht zum 4. August gejubelt. Der internationale Verband der Skibergsteiger (ISMF) wurde als olympischer Verband anerkannt – ein grosser Schritt in Richtung Olympische Spiele. Zu einer Aufnahme ins olympische Sportprogramm wird es aller Voraussicht nach aber nicht vor 2022 kommen.

 

 

 

Goldmedaillen für die Matterhorn-Nordwand

Übrigens: Ganz neu sind alpine Sportarten im olympischen Programm nicht. Schon die Gründer der Olympischen Spiele der Neuzeit planten, besonders preiswürdige Leistungen im Alpinismus auszuzeichnen. Weil aber entweder keine Nominierungen eingesandt wurden oder man sich nicht auf einen Sieger einigen konnte, wurden erst 1924 Goldmedaillen verliehen: Die 13 Teilnehmer der britischen Everest-Expedition von 1922 waren die ersten Olympiasieger im Bergsteigen.

1928 war den Juroren abermals keine Besteigung gut genug, so dass erst wieder bei den Spielen in Los Angeles (1932) Lorbeeren verteilt wurden: Die Münchner Brüder Franz und Toni Schmid erhielten für die Erstdurchsteigung der Matterhorn-Nordwand olympisches Gold. Nur Franz konnte die Medaille entgegennehmen, sein Bruder stürzte wenige Wochen vor der Verleihung tödlich ab. 1936, im Rahmen der Spiele von Berlin, wurde das Schweizer Ehepaar Hettie und Günter Dyhrenfurth mit Gold bedacht. Sie erhielten die Preise für ihre beiden wissenschaftlichen Expeditionen ins Himalaya (1930 und 1934).

Es waren die letzten Olympischen Spiele vor dem Zweiten Weltkrieg. Danach wurde das Bergsteigen aus dem olympischen Programm gestrichen.

 

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