Reportage Freeride Frankreich

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Infoblatt Freeride Frankreich

Tiefschnee Tour de France

Text & Fotos: Christian Penning

Allgemeine Informationen

Die Provinz Tarentaise zwischen dem Mont-Blanc-Massiv im Norden und dem Vanoise-Massiv im Süden mit dem gleichnamigen Nationalpark ist geprägt durch die weltweit höchste Dichte an Skiliften und Skigebieten – einerseits. Andererseits finden sich hier aber immer noch viele wilde Bergzüge. Dieser Mix aus hoch entwickelter Infrastruktur und hochalpinen Landschaften macht die Region um Val d’Isere, Tignes, Les Arcs, Les 3Vallees und Val Thorens zu einem Paradies für Freerider. Neben den Off-Piste-Abfahrten in den Skigebieten warten am Abfahrten in relativ einsame Täler am Rande der Skigebiete und Tourenrouten auf wilden Westalpengletschern. Der Gegensatz zwischen dem urbanen, hippen und jungen Ambiente in den Skistationen sowie hochalpiner Abgeschiedenheit macht diese Unternehmung endgültig zu einer Tour der Kontraste.

Die ursprüngliche Idee dieser Freeride Tour de France war es, zwischen den Skigebieten im Tourenstil mit Rucksack und Steigfellen auch abgelegene Bergregionen zu durchqueren. Ein Tour mit Liftunterstützung, aber ohne Auto. Das unbeständige Wetter während der Tour vereitelte diesen Plan. So entschieden wir uns für einen nicht weniger eindrucksvollen Roadtrip, bei dem zumindest einige anspruchsvolle grössere Freeride-Abfahrten gelangen.

Kontakte Skigebiete

Val d’Isere: www.valdisere.com

Tignes: www.tignes.net

Les Arcs: www.lesarcs.com

Les 3Valles: www.les3vallees.com

Val Thorens: www.valthorens.com

Bergführer

Bureau des Guides de Val d’Isere, Tel. +33 7 77080976, www.guides-montagne-valdisere.com;

Bureau des Guides de Montagne Haute Tarentaise (Val d’Isere, Tignes), Tel. Tel. +33 7 77080976, www.guide-montagne-tarentaise.com

Übernachtungsmöglichkeiten

Von Appartements in hochhausartigen Wohnsilos, Club- und Sterne-Hotels in den grossen Skistationen bis hin zu urigen B&B-Pensionen und kleinen, familiären Berghotels in den Nachbarorten hat man die Wahl zwischen allen nur erdenklichen Unterkunftsformen.

Details zu den Unterkünften: siehe Websites Skigebiete

Notruf Rettungsleitstelle Tel. +33/450 531689

Karten

Institute Geographique National, Carte de Randonnée 3532 ET Les Arcs La Plagne, 3534 OT Les Trois Vallées; 3633 ET, Tignes.Val d’Isere Haute Maurienne, 1:25.000 www.ign.fr

Beste Jahreszeit

Die Skisaison in den Hochlagen beginnt im November und dauert bis Ende April. Gute Freeride-Bedingungen herrschen je nach Wintereinbruch meist ab Dezember oder Januar bis Saisonende.

Technische Ausrüstung

Tourenski, Felle, Harscheisen, Skitourenschuhe, Rucksack, Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS), Lawinenschaufel und -sonde, Ski- oder Teleskopstöcke (grosse Teller). Für Abfahrten und Touren im vergletscherten Gelände zusätzlich Gletscherausrüstung.

Sicherheit

Die Ski- und Freeride-Touren führen zu grossen Teilen durchs Gelände abseits der Pisten. Entsprechende Tourenerfahrung und Know-How in puncto Einschätzung der Lawinengefahr und alpiner Gefahren sind deshalb unbedingt nötig. Im Zweifel buchen Sie einen Guide/Bergführer.

  • Checken Sie jeden Tag vor dem Start Wetter- und Lawinenlage.
  • Route: Verzichten Sie bei schlechter Sicht oder Lawinengefahr auf Abfahrten in unbekanntes Gelände abseits der Pisten. Brechen Sie die Tour notfalls ab. Die Skigebiete bieten dann immer noch genügend Alternativen.

Ausgewählte Freeride-Abfahrten

Die Möglichkeiten für Freeride-Abfahrten in den Skigebieten der Tarentaise sind schier grenzenlos. Folgend haben wir eine kleine Auswahl an lohnenswerten Varianten zusammengestellt.

 

  1. Col Pers – Le Fornet, Val d’Isere
  • Exposition: N
  • Schwierigkeit: mittel
  • Höhenmeter bergauf: –
  • Höhenmeter bergab: 1300
  • Beste Zeit: Januar bis April

Weite, hochalpine Hänge, die viele Variationsmöglichkeiten zulassen, warten am östlichen Rand des Espace Killy. Mit den Seilbahnen Fornet und Vallon de l’Iseran liftet man zum recht flachen Gletscherbecken Glacier du Grand Pissaillas. Vom Montet-Lift unterhalb der Point du Montet quert man dann in nordwestlicher Richtung bis zum Felseinschnitt am Col de Pers. Von hier geht’s bis zum Talboden fast 800 Höhenmeter im entspannten Sinkflug hinab. Je nach Lawinengefahr wählt man in dem kupierten Gelände etwas steilere oder flachere Linien. Im Tal führt eine Skispur zum Ziehweg zurück nach Le Fornet.

Alternative bei sicheren Verhältnissen und stabilem Wetter: Von der Bergstation des Montet-Lifts Richtung Süden queren und kurz aufsteigen zum Joch am Ende des Südgrates des Pointe du Montet. Von dort nordöstlich über den Glacier du Montet zum Col du Montet (3185 m). Nun über weite Getscher- und Moränenhänge in den Talgrund Richtung Refuge de Prariond und zurück nach Le Fornet.

Schlechtwetter-Alternative: Mit der Fornet Seilbbahn bis Chalet du Molard. Von hier nordseitig auf bewaldeten Hängen links und rechts der Gondel zurück zur Talstation.

 

  1. Ouille de Cugnai, Val d’Isere (2910 m)
  • Exposition: SW – W – NW
  • Schwierigkeit: mittel
  • Höhenmeter bergauf: –
  • Höhenmeter bergab: 950
  • Beste Zeit: Dezember bis April

Entspannten Freeride-Genuss bieten die beiden Lines vom Ouille de Cugnai. Mit Seilbahn oder Sessellift geht’s aus dem Ortszentrum von Val d’Isere zum Solaise (2560 m). Von dort weiter mit den Sesselliften Glacier Express und Cugnai. An der Bergstation hat man nun die Wahl: Entweder man fährt südlich über den Grat ins Tal des Hochgebirgsbaches Ruisseau du Cugnai und dann unter den Felsmassiven der Roche des Fours westlich bis nordwestlich bis in den Talgrund des Ruisseau de la Calabourdane. Oder man wählt die Route über kupierte Almhänge. Sie führt von der Bergstation zunächst direkt nordwestlich um einen Felsriegel linker Hand. Danach westlich ebenfalls ins Tal des Ruisseau de la Calabourdane. Dort sollte man an der Bar Casse Croute (urchige Alp) auf jeden Fall einen Stopp einlegen. Wer auf das flache Schlussstück zurück nach Val d’Isere verzichten möchte, nimmt einige Hundert Meter unterhalb der Hütte den Sessellift Manchet Express zurück ins Skigebiet – und dreht die Runde vielleicht gleich noch einmal.

 

  1. La Grande Motte (3456 m) – Grande Balme, Tignes (2827 m)
  • Exposition: N – NO
  • Schwierigkeit: schwer
  • Höhenmeter bergauf: 250
  • Höhenmeter bergab: 1500
  • Gefahren: Neben Spalten und Absturzgefahr am Grande Motte Gletscher. Auch am Grande Balme Absturzgefahr durch Klippen. Route nur bei guten Sichtverhältnissen empfehlenswert.
  • Beste Zeit: Januar bis April

La Grande Motte und die Rochers del la Grande Balme, wo regelmässig die Freeride Worldtour gastiert, sind sicherlich die Hauptattraktionen für Freerider in Tignes. Beide lassen sich auf einer Route prima verbinden. Von der Bergstation der Grande Motte Gondel führt die Abfahrt nach ein paar Schritten Aufstieg zu einem kleinen Felsriegel in nördlicher Richtung über den Gletscher und wird zunehmend steiler. Nach massiven Eisbrüchen ist der Gletscher teils stark zerklüftet. Deshalb unbedingt vor dem Start über die aktuellen Bedingungen informieren! Nach einem Steilstück mit atemberaubenden Blicken auf die Hellblau bis Türkis schimmernden Seracs des Eisbruchs läuft der erste Teil des Runs nach knapp 600 Höhenmetern in einem flachen Gletscherfeld aus. Nun quert man das Gletscherfeld in nördlicher Richtung zur Passage de la Grande Balme. Ein sanft ansteigendes Plateau führt hinauf auf 2882 m. Von hier nun zunächst nördlich, dann nordöstlich nach Val Claret. Der zweite Teil der Route ist ebenso wie die Grande Motte Abfahrt beliebt, bleibt aber wegen des Anstiegs vom Massenandrang verschont. Die Höhe und die Nordexposition konservieren den Schnee bis weit ins Frühjahr hinein.

 

  1. Vallon de la Sachette (2827 m), Tignes
  • Exposition: N – NW
  • Schwierigkeit: mittel bis schwer
  • Höhenmeter bergauf: 40
  • Höhenmeter bergab: 1200
  • Gefahren: Lawinengefahr beachten, vor allem auf den steilen Hängen zu Beginn unterhalb der Aiguille Percee. Unwegsames, schluchtartiges Gelände am Ende (vorher auf die Piste queren).
  • Beste Zeit: Januar bis März

Höhenmeter satt verspricht das Vallon de la Sache. Die Sessellifte Palafour und Aiguille Percee führen hinauf zur l’Aiguille Percee. Nach wenigen Höhenmetern Aufstieg tut sich ein Blick in ein wahres Freeride-Paradies auf. Mehrere breite Rinnen ziehen hinab in das Vallon de la Sachette. Sind die ersten Lines schon verspurt, quert man einfach ein Stückchen weiter. Hat man den Talgrund erreicht, schwingt man entweder links oder rechts des Baches in das in Abfahrtsrichtung von rechts mündende Vallon de la Sache. Das wird im weiteren Verlauf zunehmend schmaler und steiler. Deshalb empfiehlt es sich, an der Baumgrenze auf die Piste zu wechseln. Die führt die letzten Höhenmeter hinab nach Tignes Les Breviers (1550 m).

 

  1. Aiguille Rouge (3227 m), Valdez Couloir, Les Arcs
  • Exposition: O
  • Schwierigkeit: schwer
  • Höhenmeter bergauf: 0
  • Höhenmeter bergab: 2000
  • Gefahren: steile Grate, Lawinengefahr
  • Beste Zeit: Februar – April

Einen Hauch von Alaska bietet die Valdez Variante vom Gipfel der Aiguille Rouge. Die Abfahrt führt nach einem kurzen Stück am Grat (in südlicher Richtung) von einem flacher werdenden Joch in ein breites, von vielen Felsgraten durchzogenes Couloir, das sich unten zu einem Flaschenhals verengt, ehe es in ein breites Kar ausläuft und sich dann in nördlicher Richtung durch kupiertes Gelände zur Waldgrenze hinab zieht. Weiter durch den Wald Richtung Norden bis ins Örtchen Villaroger. Von dort mit dem Sessellift zurück nach Arc 2000.

Alternative: Am Anfang dem Grat noch etwas weiter in südlicher Richtung folgen und nach kurzem Aufstieg hinter dem Einstieg des Valdez Couloirs in das ebenfalls die Ostflanke durchziehende Couloir Les Pentes. Achtung: einige kleine Seitencouloirs enden an Felsabbrüchen.

 

  1. Col de Gébroulaz (3484 m), Val Thorens
  • Exposition: N
  • Schwierigkeit: mittel
  • Höhenmeter bergauf: 450
  • Höhenmeter bergab: 1800
  • Gefahren: Gletscherspalten
  • Beste Zeit: Februar – Mai

Die lange, landschaftlich reizvolle Abfahrt mit einstündigem Aufstieg ist eine Alternative zur Gletscherabfahrt von der Aiguille de Peclet für Naturliebhaber. Start ist am Col de Thorens (3095 m). Nun heisst es anfellen und südseitig über den Gletscher zum Col de Gébroulaz zu spuren. Von hier quert man in Richtung Ost und erreicht nach etwa 400 Metern einen flachen Sattel. Nach einem kurzen Steilstück geht es über sanfte, weite und schier endlose Getscher- und Moränenhänge hinab zum Refuge du Saut (2127 m). Weiter durch das flache Vallon du Fruit bis Meribel-Mottaret.

 

 

  1. Pointe du Bouchet (3240 m)
  • Durchschnittliche und maximale Steilheit: 33°/40°
  • Exposition: N – W – S
  • Schwierigkeit: 2-3
  • Höhenmeter bergauf: 50
  • Höhenmeter bergab: max. 2000
  • Gefahren: Gletscherspalten, Lawinengefahr
  • Beste Zeit: Dezember – April

 

Auch nach Süden und Südwesten ergeben sich vom Col de Thorens gute Freeride-Möglichkeiten. Am Col de Thorens ins südliche Gletscherbecken einfahren und Richtung Südsüdwest queren. Dabei möglichst Höhe halten. Nach etwa 700 Metern kurz zum Col Pierre Lory (3129 m) aufsteigen. Auf dem teilweise mit Felsinseln durchsetzten Glacier du Bouchet gibt es eine Menge Variationsmöglichkeiten für ein paar nette Lines in kupiertem Gelände. Alle enden schliesslich in einem Taltrichter, der erst Richtung Westen, dann südlich zum Refuge de Plan Bouchet führt. Hier hat man nun die Wahl. Entweder man nimmt die Sessellifte Peyron und Bouchet hinauf zum Pointe de Bouchet und fährt diesmal über Nordhänge in den Glacier du Bouchet ein. Oder man fährt weiter Richtung Süden ins Tal bei Orelle. Höhenmeterhungrige können dabei über 2000 Höhenmeter sammeln.

 

  1. Cime de Caron (3193 m), Val Thorens
  • Durchschnittliche und maximale Steilheit: 37°/45°
  • Exposition: N
  • Schwierigkeit: mittel bis schwer
  • Höhenmeter bergauf: 0
  • Höhenmeter bergab: 1000
  • Gefahren:
  • Beste Zeit: Januar – April

Ein bisschen an Andermatt erinnert die Cime de Caron. Eine grosse Gondel überwindet rund 1000 Meter Höhenunterschied mit vielen leckeren Couloirs. Gerade im oberen Bereich rechts und links der Gondel sind – je nach Fahrkönnen und Lawinengefahr – auch recht anspruchsvolle Linienführungen möglich. Wem das zu krass ist, der hält sich zunächst an die Piste und steigt erst ein Stück weiter unten ein. Für First Lines heisst es früh aufstehen.

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Comments
  • Tom
    Antworten

    Schöner Artikel!
    Zur Info, in der aktuellen Printausgabe ist im Artikel leider der falsche Link angegeben.

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